Der Mythos und seine Bedeutung

Der Mythos ist eine bestimmte Form der Erzählung. Er soll den Sinn des menschlichen Lebens bzw. den Sinn der Welt als Ganzes erklären. Der Bezug auf einen letzten Sinn des Lebens ist ein wesentliches Kennzeichen des Mythos.

 Atlantis in seiner BlüteEin weiteres Kennzeichen ist seine Form. Die mythische Erzählung bedient sich einer bildhaften, poetischen, symbolhaften Sprache.

Wir haben es also mit einer Verdichtung der Sprache zu tun, denn ein Bild drückt immer mehr aus als ein Wort. Gleiches gilt für Symbole. Insofern ist der Mythos sehr stark interpretations- und deutungsbedürftig.

Der Mythos, als verdichtendes Werk, kann daher auf viele unterschiedliche Lebensbereiche und -erfahrungen angewendet werden. Er handelt vom Leben, Lieben und Sterben der Menschen und Götter.

  • Im Unterschied zum Mythos wollen wissenschaftliche Erklärungen, das Warum eines Ereignisses erklären.
  • Im Unterschied zum Mythos wollen religiöse oder moralische Werke aufzeigen, was der Mensch tun soll und was er zu unterlassen hat.
  • Der Mythos stellt sich die Frage nach dem Wozu, nach dem Sinn des Lebens und der Welt. Der Mythos ist damit ein ästhetisches Werk, ähnlich eines Kunstwerkes, einer Dichtung oder eines Musikstücks.

Der Mythos will den Menschen zum Nachdenken über sein Dasein und zum bewussten Deuten anregen. Im Mythos will der Mensch sich den Sinn seines Lebens eröffnen.

Der Mythos beschreibt eine ganz eigene bildhafte und symbolische Welt. Er hilft dem Menschen, sich in seiner Wirklichkeit zu orientieren. Folglich ist der Mythos selbst eine Deutungsweise der eigenen Wirklichkeit mit lebensorientierter Kraft.

Der Mythos und seine Funktionen

Der Mythos hat zwei Funktionen:

  1. Der Umgang mit dem Außergewöhnlichen
  2. Der Umgang mit existenziellen (schwierigen) Situationen

Der Umgang mit dem Außergewöhnlichen

Der Mythos liefert keine verzerrte Widerspiegelung der Welt, sondern ästhetische, subjektive Bilder von Dichtern, die bestimmte Erfahrungen auszudrücken versuchen, die über alltägliche Erfahrungen hinaus gehen.

Diese nicht-alltägliche Erfahrung wird oft als eine Begegnung mit dem Außergewöhnlichen interpretiert. Die Begegnung mit dem Außergewöhnlichen wird als etwas Göttliches gedeutet, bzw. als eine Begegnung mit den Göttern.

Eine außergewöhnliche Erfahrung hat vier Merkmale:

  •  Untergang von AtlantisDer Sinn der Welt, der Sinn des eigenen Lebens wird "als Ganzes" erfahren.
  • Die ästhetische Erfahrung unterbricht das alltägliche Leben.
  • Die Erfahrung kann nicht willentlich erzeugt werden. Sie geschieht wie von selbst.
  • Sie weist über sich selbst hinaus auf eine tiefliegende Dimension, die sich in normaler Sprache nicht darstellen lässt.

Je nachdem, wie intensiv diese Erfahrung erlebt wird, hat sie manche Menschen dazu veranlasst, ihr Leben von Grund auf zu ändern. Sie erkannten plötzlich ihr eigenes Wozu.

Der Umgang mit existenziellen Situationen

Diese Funktion des Mythos kann durchaus mit der vorherigen Funktion, dem Umgang mit dem Außergewöhnlichen, zusammenhängen. Der Mythos soll helfen, das Zufällige, Fremde, Unvertraute und Beängstigende der Wirklichkeit in eine vertraute, sinnvolle und beruhigende Ordnung zu übersetzen.

Dabei kann es sich auch um existenziell schwierige Situationen handeln, z.B. mit dem Tod einer geliebten Person klarzukommen. Alle Situationen, wo Menschen leiden und sich selbst erfolgreich aus dem Leid befreien, können Thema eines Mythos sein.


Kommentare (3)

    Ich hoffte, dass einige Gründe, warum Mythen für Menschen wichtig waren oder immer noch sind im obigen Artikel herauskommt, zum Beispiel auf Problemlösungen zu kommen (in existenziellen schwierigen Situationen). Es kann natürlich noch andere Gründe geben, z. B. eine Kultur besser verstehen zu wollen, welche Themen für sie wichtig waren. Ein schönes Beispiel ist die Wiederauferstehung von Osiris - die Idee, wie Menschen das Problem der Sterblichkeit zu lösen versuchen (denn der Gerechtfertigte im Totengericht wird zu Osiris, dem Wiederauferstandenen). Die Angst vor dem Tod kennt womöglich jeder Mensch oder wird zumindest früher oder später damit konfrontiert. Die alten Ägypter zeigen uns über ihre Mythen, wie sie mit dem Problem des Todes schon zu Lebzeiten umgehen - ein gerechtfertigtes (Maat) Leben zu führen. So entsteht Sinn und die Möglichkeit ein sinnenhaftes Leben zu führen. Interessanterweise haben die Christen die Idee der Wiederauferstehung übernommen. Jesus ist wiederauferstanden. Insofern kann (und sollte) auch die Bibel wie ein Mythos gelesen und damit in meinen Augen erst verstanden werden. Es gibt aber auch moderne Mythen, wie "Superman" - Heldengeschichten. Dazu verweise ich aber auf den obigen Link: Mythos als Heldenreise, dessen Struktur sich auf Filme, Geschichten in Büchern, Romane ... problemlos anwenden lässt. Damit kann man lernen, nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst besser zu verstehen.

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