Schöpfungsmythos - Das Goldene Zeitalter

Die "selige Urzeit" - das Leben nach der Schöpfung

Göttin Maat auf der Sonnenbarke

Das Goldene Zeitalter ist eine paradiesische Vorstellung. Ähnlich wie in der Genesis, wird der Beginn der Zeit auf Erden als Idealzustand beschrieben. Diesen paradiesischen Zustand nannten die Ägypter "selige Urzeit" (pa'ut). In diesem Goldenen Zeitalter herrschte die richtige ausgewogene Ordnung (siehe: Maat - als Tochter des Re).

Die Menschen und Götter lebten gemeinsam auf der Erde. In der Hierarchie der Götter stand Re, der Sonnengott am höchsten. Er war alleiniger Herrscher. Die Menschen erfreuten sich durchgehend an der Gegenwart der Sonne. Denn es gab weder Tag noch Nacht, weder Tod noch Unterwelt.

Das Goldene Zeitalter neigt sich aber dem Ende zu. Die Welt wird damit unvollkommen. Der Grund dafür ist einfach: Die Welt altert. Alles, was auf Erden ist, ist dem Alterungsprozess unterworfen.

Die Jugendzeit der Schöpfung geht vorbei, die Sonne (Re) verliert an Kraft. Im Gegensatz dazu kann die Finsternis nicht altern. Wir sehen also, dass das Älterwerden nicht nur die Menschen, andere Lebewesen und Dinge betrifft, sondern auch die Götter. Re wird als alternder Greis beschrieben, dem die Herrschaft mehr und mehr entgleitet. Er hat nicht mehr die Kraft seine Schöpfung durchgehend mit seinem Licht und seiner Wärme zu versorgen.

Hier endet der paradiesische Zustand des Lebens unmittelbar nach der Schöpfung und geht in die nächste Phase über.

Entstehung von Kräften gegen die Schöpfung

Zunächst beginnen die Menschen, gegen den Sonnengott zu rebellieren. Sie wollen nicht wahrhaben, dass er sich mehr und mehr von ihnen zurückzieht. Sie planen Anschläge gegen Re und werden entsprechend bestraft, indem ein Teil der Menschheit durch sein Feuerauge vernichtet wird. Dennoch bleibt ein Teil der Menschen übrig.

Schöpfungsmythos - Das goldene Zeitalter

Die Sonne entfernt sich vom Menschen. Sie zieht sich auf dem Rücken der Himmelskuh zurück. Zum ersten Mal herrscht wieder Finsternis, wie vor der Schöpfung. Die Menschen können in der Finsternis nichts mehr sehen. Sie werden blind und wenden sich nun gegeneinander.

Das hat die Trennung von den Göttern zur Folge. Auch sie ziehen sich mit dem Sonnengott in den Himmel zurück.

Nun wird die Unterwelt geschaffen, deren Herrscher Osiris ist. Das Altern der Schöpfung zieht die Konsequenz des Sterbens und des Todes nach sich. Es gibt nun Gegenkräfte, nämlich Gewalt und Krieg im Leben der Menschen, aber auch im Leben der Götter.

Die Menschen verlieren ihre anfängliche "paradiesische" Unschuld. Die Welt der Götter können sie erst wieder nach ihrem Tod betreten, wenn sie ein entsprechendes Leben geführt haben.

Weiter zu: Die Bedrohung
Zurück zu: Schöpfungsmythen