Ägyptischer Schöpfungsmythos - Der Urschöpfer

Die Gestalt des Urschöpfers

Über den Urschöpfer gibt es verschiedene Schöpfungsmythen. Er hat unterschiedliche Gestalten.

Schöpfungsmythos - Der Urschöpfer - Benu

Eine mögliche Gestalt ist der Urvogel, der den Urkeim der Welt in Form eines Eis in sich trägt. Sein Schrei durchbricht die Stille. Danach kommt die Sonne aus seinem Ei hervor.

Der Urvogel wird Benu genannt. Er ist das erste Lebewesen, das sich auf dem Urhügel niederlässt und als Phönix (= Benu) weiterlebt.

Auch Atum ist eine Form des Urschöpfers. Er erzeugt die Welt entweder durch seine Hand und Samen oder durch das Ausspeien des ersten Götterpaares. In der ägyptischen Mythologie sind das Schu und Tefnut.

Mit diesem ersten, ungeschlechtlich erzeugten Paar kann die natürliche Fortpflanzung beginnen. Siehe dazu: die Neunheit von Heliopolis, die im alten Ägypten eine wichtige Rolle spielte. Als Urschöpfer stellte man sich Atum gerne als schlangenförmiges Wesen vor.

Ein weiterer Schöpfungsmythos erzählt von Ptah, der die Welt durch sein Wort, aber auch durch handwerkliches Bilden schafft. Diese Vorstellung hatte ihren Ursprung in der Stadt Memphis. Es handelt sich hier um die früheste Theologie, die davon berichtet, dass die Welt durch das Wort, den Logos, entstand. Dennoch war die handwerklich bildende Vorstellung einer Weltschöpfung bei den alten Ägyptern populärer. Die memphitische Vorstellung der Schöpfung knüpft an die Neunheit von Heliopolis an und modifizierte sie dahingehend, dass Ptah vor dem Sonnengott existierte. Er erschuf den Sonnengott durch sein Herz und seine Zunge.

Eine weibliche Schöpfergestalt ist Neith. Ihre enge Verbindung zur Urkuh knüpft an die altägyptische Vorstellung der Himmelskuh an. Eine sehr alte Verkörperung von Neith ist der Käfer, welcher aber dann dem Skarabäus: Chepre weichte.

Ähnlich wie Ptah erschafft der Urschöpfer Chnum die Welt durch seine Hände. Er formt die Welt und Menschen auf seiner Töpferscheibe.

Schöpfungsmythos - Der Urschöpfer

Aussagen der unterschiedlichen Schöpfungsmythen lassen sich nicht eindeutig zeitlich-linear oder örtlich-geografisch trennen bzw. zuordnen. Sie ergänzen und durchdringen sich gegenseitig.

Der Grund dafür wurde schon angedeutet (siehe: Schöpfungsmythen). Die Schöpfung der Welt ist so komplex, dass verschiedene Perspektiven notwendig sind, um sie annähernd erfassen und verstehen zu können.

Trotz der unterschiedlichen Gestalten der Urschöpfer gibt es einige Gemeinsamkeiten:

Der Urschöpfer ist von selbst entstanden.

Deshalb hat er weder Vater noch Mutter.

Er gehört vor die geschlechtliche Differenzierung, d.h. er ist Vater und Mutter in einem.

Der Urschöpfer ist der EINE, neben dem nichts anderes existierte.

Aus ihm entstanden die vielen anderen.

Diese Form der Schöpfungsmythen wird "Urmonotheismus" genannt. Das heißt, dass aus Einem die Vielen wurden.

Ein deutliches Beispiel dafür ist das ägyptische System der Neunheit. Die Zahl 9 symbolisiert das Viele. Das Viele ging aus dem Einen (Atum) hervor. Deshalb ist die Zahl 9 eine Entfaltung des Einen, die gesteigerte Vielzahl (3x3).

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