Ägyptischer Schöpfungsmythos - Die Bedrohung

Die Bedrohung der Schöpfung

  Apophis verschlingt die Sonne

Die Bedrohung verursachten die Menschen selbst, indem sie gegen Re rebellierten (siehe: Das Goldene Zeitalter).

Ein personifizierter Feind der Schöpfung ist Apophis, die Schlange. Er will den Lauf der Sonne aufhalten. Apophis symbolisiert das Chaos, das Dunkel und damit den Zustand vor der Schöpfung, als Erde und Himmel noch nicht getrennt waren und es außer dem einen Schöpfer (der Urschöpfer) nichts anderes gab.

Das ist das Schlimmste, was einem Ägypter passieren konnte. Denn diese Bedrohung der Schöpfung gefährdet ihn selbst. Er hat also mit seiner Rebellion gegen den Sonnengott sein eigenes Überleben infrage gestellt.

Die Bedrohung und Aufhebung der Schöpfung bedeutet das Ende der Welt. Erde und Himmel werden sich wieder vereinigen. Der Sonnenlauf endet. Urflut und Urfinsternis erfüllen das All. Nur der Urschöpfer überlebt in diesem Zustand des Chaos.

Mit dem Anfang der Schöpfung ist nun das Ende der Schöpfung genannt. Damit ist die Schöpfung im gewissen Sinne vervollständigt. Denn ohne Ende gibt es kein Anfang und ohne Anfang kein Ende. Die Schöpfung selbst trägt den Keim des Verfalls in sich. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Gegensätze bzw. Unterschiede.

Schöpfung und Chaos als gleichwertige Zustände

Die Bedingung eines Anfangs - die Bedingung der Schöpfung - ist ihr Ende. Umgekehrt liegt in jedem Ende der Keim eines Anfangs und der Erneuerung. Das ist ein zentraler Grundgedanke und Grundsatz ägyptischen Denkens und der ägyptischen Kultur.

Schöpfungsmythos - Die Bedrohung - Chaos

Der Gedanke des Verfalls und der Zerstörung beinhaltet den Gedanken der Erneuerung und Verjüngung.

Die Schöpfung ist keine einmalig abgeschlossene Aktion, denn sie altert und muss durch permanente Wiederholung immer wieder erneuert, verbessert, verjüngt, regeneriert und bestätigt werden.

Schöpfung und Chaos stehen unmittelbar nebeneinander. Beides existiert gleichzeitig. Der alte Ägypter stellte sich die Schöpfung als Ordnung umgeben von Chaos, einer ständigen Bedrohung, vor. Beide sind gleich wichtig:

  • Zum einen muss die Ordnung aktiv aufrechterhalten werden.
  • Zum anderen kann nur etwas erschaffen werden, wenn es sich zuvor im Chaos als Nicht-geschaffen, Nicht-seiend "befand". Hier kann es sich um etwas handeln, was zerstört wurde, oder um etwas, was es zuvor überhaupt nicht gab (Ungestaltetes, Formloses).
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