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Was ist ein Symbol?

Ein Symbol ist ein wahrnehmbares Zeichen (Gegenstand, Handlung/Gestik, Ereignis) und hat oft nicht nur eine Bedeutung. Seine Bedeutungen haben nicht notwendig etwas mit diesem Zeichen zu tun, sind aber mit diesem verknüpft (durch eine Ähnlichkeit). Das Symbol steht also stellvertretend für einen meist komplexeren Bedeutungszusammenhang, der am Symbol selbst nicht wahrgenommen werden kann (Gedachtes, Geglaubtes).

Symbol – Allgemeine Bedeutung

Das „Symbol“ geht auf das griechische Wort σύμβολον (sýmbolon) zurück, eine Ableitung von συμβάλλειν (symbállo), was mit Zusammenfügen übersetzt werden kann. Ein Symbol kann sehr komplexe Zusammenhänge aufzeigen, tritt vorwiegend in sehr stark verdichteten Bezügen auf und kann daher Bedeutungen vermitteln, die anders nicht artikuliert werden können.

Beispiel: Symbol Taube

DIe Bedeutung der weißen Taube als Symbol ist Frieden.
Weiße Taube als Symbol des Friedens.

Sehen wir uns ein traditionelles Beispiel an: Die weiße Taube ist ein Symbol des Friedens. Mit dieser Bedeutung korrespondiert neben ihrem „sanften Charakter“ z. B. auch ihre Farbe (weiß für Reinheit, Unschuld). Zum Symbol des Friedens passt auch eine damalige Funktion von Brieftauben, welche Botschaften an weiter entfernte Orte bringen, lautlos und gewaltlos. Denn auch der Frieden soll sich ausbreiten und eine immer größere Menge Menschen erreichen.

Mit den heutigen faktischen Erfahrungen mit Tauben hat ihre Farbe oder damalige Funktion nichts mehr zu tun, ganz im Gegenteil. Tauben sind heutzutage nicht gerade gern gesehene „Gäste“. Sie machen Dreck, vermehren sich unkontrolliert und gelten als Parasitenüberträger. Immerhin stehen sie noch auf Speisekarten und gelten mancherorts als Spezialität.

Symbol als Sinnbild

Sehen wir in allgemeine Lexika, wird das Symbol beschrieben als ein Zeichen, das einen tieferen Sinn andeutet. Beim Symbol handelt es sich um ein Sinnbild, das in seiner Ausdruckskraft den Inhalt eines vorgestellten Phänomens zum Vorschein bringt (wenn auch nicht für jeden auf den ersten Blick offensichtlich). Im obigen Beispiel ist die Taube ein Sinnbild für Frieden.

Doch eine solche Symbolcharakterisierung ist viel zu allgemein. Auch andere Begriffscharakterisierung sind zu ungenau, um zu einer schärferen Begriffsbestimmung zu kommen.

Symbolbegriff nach Peirce

Der Wetterhahn ist nach Peirce ein Index.
Der Wetterhahn ist nach Peirce ein Index.

Der Begriff des Symbols wird in seiner Bedeutung je nach Verfasser und Kontext mehrdeutig und uneinheitlich verwendet. Charles S. Peirce unterscheidet in seiner Zeichentheorie das Symbol, Index und Ikon ganz erheblich von den Begriffsbestimmungen anderer Autoren. Das Symbol hat bei ihm nichts mit dem Alltagsverständnis und Sprachgebrauch des Wortes Symbols gemein, doch sein Begriff des Ikons schon. Ich habe zumindest keine bessere und genauere Begriffsbestimmung gefunden.

Drei Typen von Zeichen: Ikon, Index, Symbol

Peirce unterscheidet in seiner Zeichentheorie drei Typen von Zeichen:

  • Ikon (Ähnlichkeit): Dabei handelt es sich um Zeichen, die durch eine strukturelle Ähnlichkeit unmittelbar eine Relation zu einem Objekt herstellen. Dazu zählen Bilder, Diagramme, visuelle Wahrnehmungen, z. B. eine weiße Taube, ein Tor, ein Kreuz.
  • Index (Hinweis): Ein Index weist ohne Beschreibung auf ein Objekt hin. Es handelt sich dabei um eine dyadische Relation zwischen Zeichen und Objekt. Beispiele: Das Klingeln verweist darauf, dass jemand vor der Tür steht. Der Wetterhahn verweist auf die Richtung des Windes. Auch ein ausgestreckter Zeigefinger weist auf etwas hin.
  • Symbol (Abstraktion durch Konvention): Sie haben eine Bedeutung, sind also nur deshalb Zeichen, weil ein Interpret versteht, wofür das Zeichen benutzt wird. Symbole sind vereinbarte Zeichen und typischerweise Wörter. Beispiel: Das Wort „Tür“ hat nichts „tür-ähnliches“ an sich. Es gibt aber auch Symbole, die auf etwas nicht direkt Wahrnehmbares verweisen, z. B. Liebe, Götter.

Wir sehen, dass das Symbol in der Zeichentheorie rein gar nichts mit unserem Alltagsverständnis von Symbol zu tun hat, geschweige denn mit der kultischen Bedeutung von Symbolen. Ein Symbol hat hier keinerlei Ähnlichkeit zu dem, was es bezeichnen soll.

Symbol als Ikon!

Chepre ägyptisches Symbol für Erneuerung.
Geflügelter Skarabäus Chepre – Symbol (Ikon) für Erneuerung.

In der Zeichentheorie von Peirce handelt es sich bei der alltagssprachlichen Verwendung des Symbols um ein Ikon! Es hat eine direkte Verbindung zu einem Objekt durch gewisse Ähnlichkeiten. Die weiße Taube ist zum Beispiel ein Symbol des Friedens, was zu dem sanften Charakter der Taube passt. Sie ist auch kein Raubvogel, sondern ernährt sich vorwiegend pflanzlich. Das Symbol (wie es alltagssprachlich genutzt wird) hat aber auch hinweisenden Charakter. Daher ist es manchmal auch ein Index und verweist auf Bedeutungen, die nicht gleich für jemanden offensichtlich sind, z. B. im Falle der Taube: auf das Verbreiten von wichtigen Botschaften, äquivalent zum Verbreiten von Frieden.

Das bedeutet aber auch, dass das Symbol in der Bedeutung eines Ikons nicht beliebig, durch ein anderes Zeichen ersetzt werden kann, was beim Symbolverständnis nach Peirce möglich wäre. Denn man könnte das Wort „Tür“ oder „Taube“ locker durch ein anderes Wort ersetzen, da es sich bei Peirce nur um eine sprachliche Konvention handelt.

Neben oben genannten Beispielen können Ikons auch Handlungen/Gesten (Winken) oder ein Duft (Rosenduft als Ikon für Liebe) sein. Wenn im Folgendem von Symbolen gesprochen wird, sind Ikons gemeint, die aber auch Indexe sein können, also entweder eine Ähnlichkeit mit dem Objekt oder hinweisenden Charakter haben.

Alle im Symbollexikon beschriebenen Symbole sind primär Ikons.

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Quellen

  • Wikipedia (zuletzt aktualisiert: 2021, 13. September) „Symbol“ (Stand: 07.12.21).
  • Wikipedia (zuletzt aktualisiert: 2021, 30. März) „Ikon“ (Stand: 07.12.21).