Das alte Ägypten

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Symbol Tür

Bei dem Symbol der Tür handelt es sich um ein Ursymbol, dessen Bedeutung uns heute weitgehend verloren gegangen oder nicht mehr bewusst ist. Das Gleiche gilt für Tore und Pforten. Ich verwende im Folgenden die beiden Begriffe Tür und Tor synonym. Denn es geht bei beiden um die gleiche Symbolik, wenn auch Tore meist etwas größer, monumentaler sind, oft besondere Orte verbinden oder zu einem besonderen Ort führen.

Die Symbolik der Tür und des Tores lässt sich nicht nur auf sichtbare, materielle und auf magische Türen (z. B. die Stele) anwenden, sondern – übertragen verstanden – auf verschiedene Lebensphasen, die miteinander in Beziehung gesetzt werden.

Türen sind Orte der Schwellen

Symbol Tür
Die Bedeutung des Symbols „Tür“ trifft auch auf Tore, Pforten und Portale zu.

Mit Türen und Toren sind Schwellen auf das Engste verknüpft. Diese Verknüpfung dürfte vermutlich die Wichtigste sein. Schwellen markieren den räumlichen und/oder zeitlichen Übergang zwischen dem:

  • Innen und Außen,
  • Oben und Unten,
  • Vorher und Nachher.

Sie setzen bestimmte Räume (bzw. Zeiten – Phasen) voraus und bilden darüber hinaus einen Grenzbereich, eine selbstständige Zone – vergleichbar mit dem Niemandsland moderner Staatsgrenzen.

Dieser Grenzbereich ist – wie oben beschrieben – nicht nur örtlich, sondern auch zeitlich zu verstehen. Schwellen können sehr gut mit dem Ende einer alten bzw. mit dem Beginn einer neuen Phase in Beziehung gebracht werden.

Wesen, die auf der Schwelle leben – Schwellenwesen:
Nicht tot sein und doch auch nicht mehr lebend? Als ein geisterhaftes, stilles, schauendes, gleitendes, schwebendes Mittelwesen? Dem Schiffe gleichend, welches mit seinen weißen Segeln wie ein ungeheurer Schmetterling über das dunkle Meer hinläuft! Ja! Über das Dasein hinlaufen! Das ist es!1 (Aus Trance Formation von Elmar Gruber)

Schwellen schaffen eine Verbindung

Schwellen verbinden:

  • Anfang und Ende,
  • Leben und Tod,
  • Entwicklungsphasen, z. B. Kindheit und Jugendzeit, Jugendzeit und Erwachsen-werden.

Diese Verbindung selbst hat eine ganz eigene Qualität. Mehr dazu weiter unten (Verbindung zwischen mehreren Orten/Ereignissen). An Schwellen werden gerne Rituale vollzogen. Man könnte auch sagen, dass Schwellen ganz wesentlich Rituale konstituieren.

  • Beispiel für zeitliche Schwellen sind Übergangsrituale (rituale en passage). Sie bestehen meistens aus drei Phasen: die Phase der Trennung, die Phase des Übergangs (der eigentlichen Passage) und die Phase der neuerlichen Angliederung. Ein Neophytenritual ist ein Beispiel für ein Übergangsritual, ebenfalls eine Hochzeit, im Prinzip auch eine Scheidung.
  • Beispiel für räumliche Schwellen: Die Schwelle kann – muss aber nicht – eine Türschwelle sein. Die Schwelle kann aber auch selbst festgelegt werden, z. B. die Form eines gemalten oder mit Steinen ausgelegten Kreis haben. Der Eingang zum Kreis markiert hier die Schwelle. Ein anderes Beispiel sind Schutzrituale für bestimmte Orte, wo während des Rituals Grenzen und damit gleichzeitig die Schwelle(n) klar festgelegt werden.

Eine Mischung aus zeitlichen und räumlichen Schwellen ist üblich, etwa bei Ritualen oder auch Meditationen.

Beispiel für zeitliche & räumliche Schwellen

Hochzeit - ein Schwellenritual.
Das Ritual der Hochzeit berücksichtigt räumliche und zeitliche Schwellen.

Sehen wir uns ein Beispiel für ein Ritual an, das sowohl zeitliche als auch räumliche Schwellen aufweist, die Hochzeit:

  • Zeitliche Schwelle: Das Paar ist erst dann verheiratet, wenn es sich das Ja-Wort gegeben und die Heiratsurkunde unterschrieben hat. Das Unterschreiben der Heiratsurkunde markiert normalerweise das Ende der Hochzeitszeremonie. Bei uns ist es üblich, dass sich das Ehepaar gegenseitig den Ehering ansteckt, was normalerweise nach dem Ja-Wort geschieht. Die Phase des Übergangs auf der Schwelle, d. h. die gesamte Hochzeitszeremonie, gestalten die Paare sehr unterschiedlich. Manche Paare denken sich z. B. getrennt voneinander einen persönlichen Text aus, den sie vor dem Ja-Wort ihrem künftigen Ehegatten mitteilen wollen.
  • Räumliche Schwellen: Der Eingang zur Kirche ist ein räumliches Beispiel, wo der Vater auf der Schwelle der Braut seinen Arm anbietet und sie zum Traualtar führt. Der Eingang zur Kirche markiert aber auch einen geweihten bzw. geschützten Ort. Wo vor der Schwelle zur Kirche mit anderen Menschen geredet wird, herrscht hinter der Schwelle, im Inneren der Kirche, Ruhe. Denn die Aufmerksamkeit wird sofort auf das bevorstehende Ereignis fokussiert. Ein anderes Beispiel: Manche frisch gebackenen Ehemänner tragen ihre Frau über die Schwelle ihres Hauses oder ihrer Wohnung und markieren damit den Beginn ihres gemeinsamen Lebens.

Schwellen bewusst zu definieren, ob symbolisch oder räumlich, ist hilfreich und hat sich auch in praktischer Hinsicht fest in unserer Alltagswelt etabliert. Wir haben z. B. einen Raum, wo wir kochen, einen Raum, wo wir uns entleeren und einen Raum, wo wir uns entspannen (Küche, Toilette, Wohn- oder Spielzimmer).

Das Symbol der Tür und das Symbol des Tores sind unweigerlich mit dem Symbol der Schwelle verknüpft. Türen und Tore sind immer Orte der Schwellen, unabhängig davon, ob diese räumlich oder zeitlich (auch magisch, symbolisch) verstanden werden.

Offene und geschlossene Türen

„Die Welt ist nur so groß wie das Tor, das du ihr öffnest.“ 
(Karin Born)

Das Symbol der Tür ist zweideutig. Es bedeutet Aufnahme und Ausschluss. Türen können einladen oder „kein Zutritt“ signalisieren. Sie verbinden zwei Räume im geöffneten Zustand und trennen sie im geschlossenen Zustand. Daher haben Türen und Tore meistens einen Schließmechanismus.

Öffnungs- und Schließmechanismen von Türen

Öffnen und Schließen von Türen
Türschlüssel in Form eines ägyptischen Anchs.

Wir unterscheiden verschiedene Möglichkeiten des Öffnens und Schließens:

  • Das Tor selbst, seine Türen (wenn es z. B. aus zwei Flügeltüren besteht) können geöffnet und geschlossen werden.
  • Der Schließmechanismus im engeren Sinne, d. h., es kann mit einem Schlüssel abgeschlossen oder mithilfe eines Riegels verriegelt werden.
  • Das Tor kann durch einen Wächter bewacht werden (auch wenn die Türen offen stehen). Der Wächter kann zum Beispiel Behedeti sein, der im Alten Ägypten gerne über wichtige Türen angebracht wurde. Es kann aber auch ein Polizist sein, der Unbefugten den Zutritt verwehrt.
  • Es kann mit Schutzsymbolen versehen sein, die ungebetene Gäste/unpassenden Energien keinen Einlass gewähren.
  • Oder die Tür ist umgekehrt mit Symbolen und Zeichen verziert, die zum besonderen Ort hindeuten (quasi ein Fingerzeig).
  • Sie kann auch mit Gesten geöffnet oder geschlossen werden (den Schleier öffnen, den Schleier schließen).

Schutz und Einstimmung

Das Symbol der Tür und des Tores bedeutet Schutz und Einstimmung. Beide können geöffnet und geschlossen werden, mit welchen Mitteln auch immer. Das ist ganz besonders bei magischen Türen wichtig. Magische Türen werden sich jedoch in Räumen / an Orten befinden, die ebenfalls eine passende Ausrichtung haben (z. B. das Allerheiligste im Tempel). D. h., schon im Vorfeld wurde dafür gesorgt, dass keinen unerwünschten Einflüssen Zutritt gewährt und die Wahrscheinlichkeit einer gewünschten Stimmung / Haltung erhöht wird.

Damit sind schon zwei Funktionen der Tore und Türen genannt:

  • Schutz vor unerwünschten Einflüssen (auch auf sich selbst bezogen, z. B. unerwünschte Stimmungen, Gedanken) und Schutz vor Eindringlingen (die von außen kommen).
  • Eröffnen von bestimmten Möglichkeiten, z. B. das Schaffen einer Atmosphäre, die zentriert, klar und wach wirkt, um zu meditieren oder um zu kochen. Das hilft erheblich, sich auf das, was man tun will, zu fokussieren.

Türen sind Orte der Entscheidung

Noch stehe ich auf der Schwelle, befinde mich weder im Alten noch im Neuen. Noch wölbt sich der Torbogen schützend über mich. Doch was passiert, wenn ich einen Schritt vorwärts mache? Sollte ich lieber wieder zurück in die Sicherheit oder vorwärts in das Unbekannte, das ich schon jetzt auf der Schwelle spüren kann? (Karin Born)

Türschwellen (und Türpfosten) sind wichtige Orte. Daher galten sie schon früh als heilig. Die Tür war Ort der Geister und Toten. Deshalb wurden früher die Türpfosten mit Symbolen bemalt oder behängt. Es wurden Symbole unter der Türschwelle vergraben, um böse Geister abzuwehren. Übergänge können also gefährlich sein, deshalb kann das Überschreiten einer Schwelle Mut erfordern. Die Schwellenangst kommt nicht von ungefähr.

Türen sind Orte der Entscheidung.
Türen sind Orte der Entscheidung.

Türen zu durchschreiten, erfordert nicht nur Mut, sondern vor allem eine Entscheidung. Paul Roth hat das sehr einleuchtend beschrieben:

Wofür will ich leben?

Du kannst dir nicht ein Leben lang die Türen alle offenhalten, um keine Chance zu verpassen. Auch wer durch keine Tür geht und keinen Schritt nach vorne tut, dem fallen Jahr für Jahr die Türen, eine nach der anderen, zu.

Wer selber leben will, der muss entscheiden: Ja oder Nein – im Großen und im Kleinen. Wer sich entscheidet, wertet, wählt und das bedeutet auch: Verzicht. Denn jede Tür, durch die er geht, verschließt ihm viele andere.

Man darf nicht mogeln und so tun, als könne man beweisen, was hinter jener Tür geschehen wird. Ein jedes Ja – auch überdacht, geprüft – ist zugleich Wagnis und verlangt ein Ziel. Das aber ist die erste aller Fragen: Wie heißt das Ziel, an dem ich messe, Ja und Nein?

Und: Wofür will ich leben?
(Paul Roth)

Hier wird deutlich, was es heißt, eine Tür als Symbol für das eigene Leben zu deuten, welches wiederum mit vielen Entscheidungen verbunden ist.

Geheime Türen – Tor zu anderen Welten

„Der größte Schritt ist der durch die Tür!“
(Dänisches Sprichwort) 

Eine Tür legt den Gedanken des Übergangs, der Schwelle zwischen zwei Bereichen nahe:

  • zwischen Innen und Außen,
  • Bekanntem und Unbekanntem,
  • Licht und Finsternis,
  • Leben und Tod.

Tor als Schwelle des Todes

Der Tod öffnet unbekannte Türen.“
(unbekannter Verfasser)

Das Totengericht auf der Schwelle zum Tod.
Das ägyptische Totengericht auf der Schwelle des Todes.

Schwellen werden oft mit großen Veränderungen und daher dem Tod in Verbindung gebracht. Der Tod ist für jeden Menschen eine große Unbekannte, das Mysterium schlechthin. Die Alten Ägypter setzten auf die Schwelle zum Tod das Totengericht, wo über ein Weiterleben anhand der eigenen Taten entschieden wird. Doch sie taten noch mehr. Jeder musste, bevor er das Totengericht erreichte, durch die Unterwelt, wo viele Gefahren lauerten. Man gelangte in die unterschiedlichsten Gebiete, die jeweils durch ein Tor miteinander verbunden waren. Wer den Namen des Torwächters nennen konnte, durfte passieren.

Es handelt sich also um mehrere Prüfungen im Prozess des Lebens und des Werdens, die einem gestellt werden. Schafft man die Prüfung, um eine Zukunft zu eröffnen oder fällt man durch und wird verdaut?

Das Symbol der Schwelle ist ein wesentlicher Bestandteil der Tür und des Tores. Die Schwelle wird daher durch das Ursymbol Tor/Tür als Grenze und Übergang zwischen dem Leben und Tod symbolisiert.

Türen sind Prüfungen

Das Leben ist eine Schwelle, wo sich entscheidet, 
wer die Räume seiner Zukunft öffnet oder schließt
.“
(Karin Born)

Mit dem Symbol der Tür sind Hindernisse, aber auch eröffnende Möglichkeiten angesprochen. Um sie passieren zu können, sind meist mehr als ein paar Schritte nötig. Es müssen mehrere Prüfungen bestanden werden, um sein Ziel zu erreichen. Prüfungen eröffnen Wege zu mehr Möglichkeiten, zu neuen Erfahrungen, zu neuen Welten. Das aber nur, wenn sie bestanden werden.

Im Alten Ägypten schafft sich der Verstorbene die Wege zu jenem Ort, wo er mit den Göttern leben kann. Er muss sich durch ein Labyrinth hindurchfinden, um zum Totengericht zu gelangen. Erst dort kann er sein negatives Bekenntnis ablegen und sich seiner letzten Prüfung stellen – sein Herz gegen die Feder der Maat wiegen zu lassen. Die folgende Teil-Übersetzung stammt von einer ägyptischen Stele, die Stele der Offenbarung. Sie spielt im Totengericht – der Verstorbene ist Ankh-f-n-khonsu, welcher vor dem falkenköpfigen Horus steht.

Ägyptische Stele – Totengericht

Übersetzung der Rückseite einer ägyptischen Stele, der Stele der Offenbarung:

Worte gesprochen durch Osiris, Priester des Month, Herr von Theben, Anch-f-n-Chonsu, gerechtfertigt: (O) Herz meiner Mutter (zweimal), (O) mein Herz, während ich verweile auf Erden, erhebe dich nicht, um Zeugnis abzulegen wider mich, stelle dich mir nicht entgegen im Tribunal, sei mir nicht feindlich gesinnt in der Gegenwart des Großen Gottes, des Herrn des Westens, auch, wenn ich mich (selbst) verbunden habe mit der Erde auf der westlichen Seite, der großen (am) Himmel, möge ich Bestand haben auf Erden, Worte gesprochen durch Osiris, den Bekleidungspriester von Theben, Anch-f-n-Chonsu, gerechtfertigt. O Einzigartiger, der strahlt wie der Mond, zeigen möge sich Osiris, Anch-f-n-Chonsu, in eurer Schar, also der Außenwelt, (O) Erretter derer, die im Sonnenlicht sich befinden, offen ist für ihn die Unterwelt, fürwahr, Osiris Anch-f-n-Chonsu soll sich zeigen am Tage, um all das zu tun, wonach ihn verlangt, auf Erden unter den Lebenden.

Anch-f-n-Chonsu bittet sein Herz darum, im Gericht (Tribunal) nicht gegen ihn auszusagen und sich nicht gegen ihn zu stellen. Er möchte weiterhin Bestand haben, d. h. weiterleben, um all das zu tun, wonach ihn verlangt. Dazu muss er sich vor dem Totengericht rechtfertigen. Hier ist vom Herrn des Westens die Rede. Denn im Westen liegt das Reich des Todes und das Totengericht. Sich vor dem Totengericht zu rechtfertigen bedeutet: seine letzte Prüfung zu bestehen, um die Schwelle zu den ewig Lebenden überschreiten zu dürfen.

Tür als Schwelle zum eigenen Inneren

Der Traum ist die verborgene Tür in der Tiefe der Seele.“
(unbekannter Verfasser)

Petersdom mit der Porta Sancta.
Das äußerste rechte Tor des Petersdoms ist die heilige Pforte „Porta Sancta“.

Nicht nur unsere Träume, sondern auch die christliche Tradition gibt uns ein gutes Beispiel, Tore als Schwellen zum eigenen Inneren (Selbst) zu deuten, wenn wir sie unvoreingenommenen betrachten. Ein Beispiel ist die „Porta Sancta“ in Rom, das äußerste rechte Tor, das in das Kircheninnere des Petersdoms führt. Denn sie ist eine der heiligen Pforten, die in den Heiligen Jahren (Anfang/Ende eines Jubeljahrs, d. h. alle 25 Jahre) geöffnet wird. In der dazwischen liegenden Zeit bleibt sie fest verschlossen. Wer durch sie hindurch schreitet, „geht durch Christus“, der sagt: „Ich bin die Tür. Wenn einer durch mich hineingeht, wird er Heil erfahren; er wird hineingehen und herausgehen und Weide finden.“

Unabhängig von einer bestimmten Religion interpretiert: Durch das Hindurchschreiten gelangt der Mensch zu seinem Selbst. Es ist der Weg, um heil zu werden. Wer es vermag zu seinem Selbst (Christus) zu gelangen, beginnt den Prozess seiner Heilung. Heilung hat hier eine erweiterte Bedeutung: sich zu vervollkommnen, ganz zu werden, seinen Lebenssinn oder Lebenstraum zu leben. Der Begriff der Heilung bzw. des Heil-Werdens geht also über eine körperliche oder psychische Heilung weit hinaus.

In Rom gibt es insgesamt vier heilige Pforten – das aber nur am Rande.

Türen markieren Prozesse

Wir schreiten von Schwelle zu Schwelle – von Tür zu Tür – von Tor zu Tor – um dem Allerheiligsten immer näherzukommen, dem eigenen schöpferischen Selbst. Dieser Weg ist ein Prozess, den die alten Ägypter beim Bau ihrer Tempelanlagen berücksichtigten.

Man könnte auch Entwicklungsstufen als fortschreitende Prozesse deuten: die Entwicklung vom Kind zum Jugendlichen, vom Jugendlichen zum Erwachsenen, vom Schüler zum Studenten, vom Studenten zum Assistenten usw.

Magische Türen

Symbol Tür - magische Türen
Magische Türen entführen uns geistig in eine andere Welt.

Neben materiellen Türen, durch die Menschen mit ihrem biologischen Körper hindurch gehen, gibt es magische Türen. Durch das Symbol der magischen Tür gehen bzw. projizieren sich Menschen mit ihrem Geist (Astralkörper, Ätherkörper) hindurch.

Diese Möglichkeit ist nicht neu – schon für die Alten Ägypter waren Stelen auch Türen, die sie z. B. mit den Verstorbenen verband. Der Verstorbene hatte die Möglichkeit, seine Grabstele als Tür zu durchschreiten, um sich von den mitgebrachten Gaben seiner Angehörigen zu nähren. Er war angewiesen auf diese eher geistige Verbindung und Nahrung. Hier steht die Stele als Symbol einer Tür für die Verbindung des Toten zur Welt der Menschen.

Magische Türen stehen meist in gut geschützten, abgesicherten und versteckten Räumen, so auch die Stelen. Denn die Alten Ägypter wussten ganz genau, dass sie bestimmte Räume vor Grabräubern und Unbefugten schützen müssen.

Verbindung zwischen mehreren Orten/Ereignissen

Bisher wurde oft die Perspektive auf das Symbol der Tür als eigenständiger Ort eingenommen. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, doch es gibt eine weitere ergänzende Sichtweise: Die Tür ist ein Dazwischen (In-Between), eine Verbindung. Doch was verbindet das Symbol der Tür?

Türen können sowohl Orte (z. B. Küche und Wohnzimmer) als auch Zeiten (z. B. Entwicklungsphasen, Leben und Tod, Geburt und Tod) miteinander verbinden. Denn sie relationieren bestimmte Ereignisse/Räume und setzen sie damit in eine enge Beziehung.

Erwartungen

„Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man.“ 
(Franz Kafka, Die Heimkehr)

Symbol Tür erzeugt Erwartungen.
Türen erzeugen ganz bestimmte Erwartungen.

Wer ein Tor oder eine Tür gestaltet oder auswählt, stellt eine Relation und Beziehung her, zwischen dem, was dahinterliegt oder einem bevorsteht. Das beginnt bei der Gestaltung/Auswahl der Tür und endet an jener Stelle, an der die Tür montiert oder aufgestellt wird.

Alle Türen haben eine Form/Aussehen, auch magische Türen (selbst jene, die imaginiert werden). Damit geben sie eine Richtung vor, die den Besucher beeinflusst. Er wird bestimmte Erwartungen erzeugen, ob ihm das bewusst ist oder nicht.

Repräsentative Prachteingänge wollen herzeigen, beeindrucken, aber auch einschüchtern. Viele prachtvolle Portale wollen die Macht, die dahinter steckt, nach außen zeigen und dem Besucher gleich klarmachen, wer er ist, wo er sich jetzt befindet und was ihn erwartet.  

Selbst einfache Haustüren haben eine Wirkung auf die Erwartungen der Besucher. Es gibt Haustüren, die sehr offen, verglast und einladend wirken. Es gibt Haustüren, die eher alt, von der Stange, nicht geölt und daher wiederum andere Erwartungen auslösen. Die Erwartungen beziehen sich immer auf den Ort oder dem Geschehen und der dort lebenden Wesen dahinter: Was und wen erwartet mich? Was und wen finde ich vor? Welches Ereignis steht mir bevor?

Art der Verbindung

Türen sollten Orte (Ereignisse) miteinander verbinden, die zusammenpassen. Das gilt insbesondere für magische Tore. Doch auch jeder gute Designer wird dies bei der Gestaltung eines Hauses berücksichtigen. Denn ein Esszimmer fern von der Küche zu verlegen, dürfte mit zu langen Wegen verbunden sein, die die Wohn- und Lebensfreude erheblich beeinflussen.

Ebenso dürfte eine Prachtvilla in einer Arbeitergegend völlig deplatziert wirken. Hier werden durch die Haustür zwei Orte – der private Wohnraum und der öffentliche Raum – miteinander verbunden, die nicht zusammenpassen und Konflikte auslösen dürften.

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Quellen und Einzelnachweise

1 Nietzsche, Friedrich (1954 München), „Die fröhliche Wissenschaft“, Zweites Buch, 60. Frauen und ihre Wirkung in die Ferne, Seite 79 f.

Turner, Victor (2005), „Das Ritual. Struktur und Anti-Struktur.“ Campus Verlag GmbH, Frankfurt/Main. Kapitel 3 „Schwellenzustand und Communitas“, Seite 94 bis 127.