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Chons – ägyptischer Gott des Mondes

Chons ist ägyptischer Gott des Mondes bzw. das Mondkind. Man kennt ihn unter mehreren Namen: Chonsu, Khensu, Khons, Khonsu oder Khonshu.

Ägypten-Götter - Chons - ägyptischer Gott des Mondes

Sein Name wird mit „Durchwanderer“ übersetzt, was gut zum Lauf des Mondes passt. Er durchwandert den Himmel in der Dunkelheit der Nacht. Chons verschmilzt mit anderen Mondgöttern, insbesondere mit Joh und Thot.

An all ihren Funktionen hat Chons Anteil. Er ist der Herr der Zeit, der die Jahre der Menschen und der Götter zählt. So erhält er einen Beinamen: „Chons-Zeitrechner“. Von Thot übernimmt er teils sogar den Ibiskopf. Es stellt sich die Frage, ob er auch vor der Verschmelzung mit Thot ein Mondgott war. Es gibt nicht viele Aufzeichnungen darüber, aber alles, was darüber zu finden ist, scheint darauf hinzudeuten.

In einem Falle wird er als König beschrieben, der im Himmel Opfer abschlachtet. Da die Mondsichel auch als Messer verstanden wurde, kann davon ausgegangen werden, dass Chons von Anfang an Mondgott war.

Bildliche Darstellungen von Chons

Auch seine Gestalt deutet darauf hin. Er wird menschlich abgebildet, mit einer vollen Mondscheibe, ruhend auf einer Mondsichel, als Kopfschmuck. Seine menschliche Gestalt ist nur in Umrissen zu sehen, ähnlich wie bei Ptah (mumienhaft). Das deutet auf eine kosmische Bedeutung von Chons seit Beginn seiner Existenz hin.

Oft wird Chons mit einer großen Haarlocke dargestellt, die auf sein jugendliches Alter hinweist. Denn ägyptische Kinder, unabhängig von göttlicher oder menschlicher Herkunft, wurden immer mit einer Haarlocke abgebildet. Des Weiteren hält er Geißel und Krummstab in seinen Händen (Herrschersymbole).

Chons – das Mondkind

Ägypten-Götter - Chons-Relief

Ein weiteres Symbol, das das Mondkind Chons ebenfalls oft trägt, stellt ein Gefäß dar, in welchem sich die Plazenta des Königs befindet. Den König betrachtete man als Zwilling des Chons. Dieses Symbol jedoch verweist vermutlich auf Isis, nicht auf seinen Status als Mondgott.

Mit seinem Vater Amun und seiner Mutter Mut bildete Chons die Triade seiner Heimatstadt Theben. Als jugendlicher Gott ist Chons der Thronerbe seines Vaters Amun. Die Zeichen der Königsherrschaft: Geißel und Krummstab hält er in seinen Händen. Damit rückt er in die Nähe des Horus, der ebenfalls als Thronerbe verstanden wird. Doch im Gegensatz zu ihm tritt Horus sein Königserbe tatsächlich an. Horus und Chons sind also die Stellvertreter ihrer himmlischen Väter. Chons wird zu Chons-Horus und „Herr der Freude“ genannt. Durch die Eigenschaft, Erbe zu sein, rückt Chons in die Nähe von Geb, dem Erbfürsten.

Mit Horus hat Chons eine weitere Parallele gemeinsam. Horus wird als Harpokrates (= Horus als Kind) ebenfalls wie Chons mit einer Kind- bzw. Jugendlocke dargestellt. Als Kind rückt er dem Herzen des Volkes näher. Man nennt ihn Chons, das Kind oder Chons-Re, das Kind. Es ist ein „herrliches Kind, das aus der Lotosblüte hervorging.“1 Der Vorteil dieser Verschmelzung bestand darin, dass er durch seine Jugend klar von Amun-Re bzw. Chons-Re abzugrenzen war und keine konkurrierenden Ansprüche zu erwarten waren.

Chons, als Kind wird, wie das Horuskind (= Harpokrates), als Schutzgott gegen böse Tiere verehrt. Deshalb wird er gerne auf Krokodilen stehend abgebildet.

Chons – Herr des Lichtes

Chons - ägyptischer Gott des Mondes
Chons als Mondkind

Als Sohn des Amun erhielt Chons einige zusätzliche Verbindungen. Der Sonnengott Amun wurde mit dem Sonnengott Re identifiziert. Nach der Lehre von On ist Re der Vater des Schu. Insofern fließt Schu mit Chons zusammen. Beide sind Söhne ihrer Väter und man nennt ihn Chons-Schu. Er übernimmt die Wesenszüge von Schu und wird zum Gott der Luft und zum Träger des Himmels.

Dadurch wird er für die Toten bedeutsam. Denn als Träger des Himmels kennt er den Weg zum Himmel, den eine Seele zurücklegen will. Darüber hinaus spendet er als Gott der Luft den Lebenshauch.

Später verschmilzt man Chons mit Re, was recht nahe liegt. Denn sowohl der Mond als auch die Sonne sind die Augen des Re. Der Mond ist die Sonne der Nacht. Bei beiden handelt es sich um Lichtgötter. So verband man mit der Verschmelzung den Tag mit der Nacht.

Chons frühe Verschmelzung mit Thot zu Chons-Thot, bildet die perfekte Ergänzung zu Chons-Re. Denn auch hier werden Tag und Nacht miteinander verbunden. Als Herr des Lichtes erleuchtet Chons-Re den Tag und als Chons-Thot die Nacht. Als eine Verbindung der Sonnen- und Mondscheibe lässt sich auch der Kopfschmuck des Chons begreifen. Die volle Scheibe wird als Sonne und die Sichel, auf der sie ruht, als Mondscheibe verstanden.

Der Sonnengott und der Mondgott haben beide eine enge Verbindung zur Göttin der Maat. Thot als Mondgott ist der Schreiber der Maat. Re als Sonnengott ist der Vater bzw. der Sohn der Maat, der nach ihren Richtlinien den Weltlauf lenkt.

Gott der Heilung

Es gibt eine weitere Form des Chons, welche die Griechen Chespisichis genannt haben. Der Name bedeutet in etwa: „Chons, der Weisungen erteilt“. Er stand damals im hohen Ansehen. Man fand an einem Denkmal in der Nähe seiner Kapelle eine Inschrift, die ihm für die Heilung einer schweren Krankheit dankte. Auch andere Inschriften zeugen von seiner Funktion als Heilgott und als jemanden, der die bösen Geister vertreibt.

Das passt sehr gut zum Symbol des Mondes. Denn im damaligen Verständnis übte der Mond Einfluss auf körperliche Zustände aus, egal ob positiver oder negativer Art. Auch heute ist uns diese Verknüpfung nicht fremd. Die alten Ägypter nannten die Beulenkrankheit „Geschwulste des Chons“.

Chons als Chons-Thot wurde aber auch um Hilfe angerufen, wenn es sich um Krankheitsfälle handelte. Man vermutet, dass Chespisichis eine Abspaltung des Mondgottes ist, in seiner Funktion als Gott der Heilung. Der Mond hat also sowohl heilende als auch krankmachende Kräfte.

Es gibt noch einige Nebenkulte, die Chons genoss und mit anderen Göttern in eine engere Beziehung treten ließ. Die vielfältigen Verbindungen, welche Chons mit anderen Gottheiten einging, wirkten sich auf die Form seiner äußeren Darstellung aus. So gibt es Abbildungen, wo Chons mit Falkenkopf und Mondscheibe auf seinem Kopfe zu sehen ist und/oder ein hohes Federpaar als Kopfschmuck trägt. Hier erscheint er dann als Sonnengott, als Horus oder als Schu.

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Quellen

„Mond.“ Beitragsbild von Bruno /Germany auf Pixabay.

Bonnet, Hans (2000), „Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte“, 3. unveränderte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hamburg, Seite 140 bis 144 (Chons).

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