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Der Pharao im Alten Ägypten

Mit dem Begriff „Pharao“ werden alle Könige und Königinnen, die im Alten Ägypten gelebt haben, bezeichnet. Für das Amt des Herrschers ist der Pharao von den Göttern eingesetzt worden. Daher hatte er göttliche Legitimation. Der Name eines Pharao wurde in einer Kartusche geschrieben, d. h. in einen ovalen Rahmen gesetzt.

Der Pharao als Herrscher

Obwohl im Alten Ägypten der Pharao in der Regel alleine über sein Land herrschte, handelte es sich in fast allen Fällen nicht um eine Diktatur. Denn das ägyptische Rechtssystem war ausgeklügelt. Seine wichtigste Aufgabe bestand darin, für Gerechtigkeit (Maat) zu sorgen. Der Pharao hatte einen beachtlichen Beamtenapparat unter sich, der die weltlichen Angelegenheiten regelte.

König Tutanchamun
Ägyptischer Pharao Tutanchamun

Auch alle priesterlichen Aufgaben oblagen dem König, sofern es sich nicht um untergeordnete Hilfsdienste handelte. Er übernahm die Pflichten des Gottesdienstes im Tempel, denn er war von den Göttern legitimiert. Deshalb steht auch sein Name auf den meisten offiziellen Denkmälern als Stifter und Ausübender des Kultes. Das, was er zeitlich nicht schaffte, delegierte er an die Priester, die für ihn stellvertretend den entsprechenden Gottesdienst ausübten.

Die ägyptische Herrschaft war also aufs engste mit dem Ausüben des religiösen Kults verbunden.

Pharao – ein göttliches Amt

Pharao im Alten Ägypten

Früher waren sich die Ägyptologen darin einig, dass der Pharao (König) mit einer Gottheit gleichgesetzt werden kann. Der König war quasi göttlicher Natur. Doch das hat sich aufgrund der Quellenlage verändert, zumindest nach mehrheitlicher Auffassung der Ägyptologen. Heute versteht man das Amt des Pharao als ein von den Göttern eingesetztes Amt.

Der Pharao (König) im Alten Ägypten bekam von den Göttern die Legitimation und Aufgabe, den göttlichen Willen umzusetzen und gerecht zu herrschen. Wenn also von der Göttlichkeit des Königs gesprochen wird, dann bezieht sich das auf sein Amt als Herrscher und nicht auf seine Person.

Der Fachbegriff dafür ist Gottkönigtum. Das bedeutet, dass der König die göttlichen Aufgaben repräsentativ wahrnimmt, also stellvertretend für die Götter handelt. Das drückt sich zum Beispiel darin aus, dass er das „väterliche Amt des Horus“ übernahm oder ergänzend als „Sohn des Re“ bezeichnet wurde.

Selbst wenn von einer Einwohnung oder Inkarnation des Gottes im König die Rede ist, geschieht sie nur in Verbindung mit seinem Amt. Sie ist nicht dauerhaft und wechselt, wenn nach dessen Tod sein Nachfolger den Thron besteigt. Das wird durch den Namenszusatz „Horus NN“ ausgedrückt.

Pharao mit göttlicher Abstammung

Pharao im Alten Ägypten

Die Göttlichkeit des Pharao kommt in den altägyptischen Texten wiederholt zur Sprache. Er gilt zum Beispiel als ein Sohn der Götter bzw. sind die Götter seine Väter. Das lässt sich dahingehend deuten, dass der Pharao im Alten Ägypten mit den Eigenschaften und Kräften verschiedener Götter ausgestattet wurde, um sein Amt gut ausführen zu können. Manchmal wird jedoch sehr ausdrücklich auf eine physische Zeugung verwiesen, wenn etwa Ptah zu Ramses II sagt: „Ich bin dein Vater … ich nahm die Gestalt des Bockes von Mendes an und zeugte dich mit deiner erhabenen Mutter„.1 Gerne werden auch Göttinnen (Mut als Gattin von Amun, Sachmet als Gattin von Ptah) an der Stelle der Königsmutter genannt.

Doch dadurch wird der Gottesanspruch nicht wirklich verstärkt. Es handelt sich eher um Variationen des Gedankens, dass der Pharao im Alten Ägypten ein Gottessohn ist. Die Eigenschaft „Gottessohn“ meint verschiedenes:

  • Er vertritt stellvertretend für seinen himmlischen Vater alle irdischen Belange.
  • Er hat sein familienrechtliches Erbe als König angetreten, genauso wie es Horus, der Sohn von Osiris, tat.

Die göttliche Zeugung des Königs legitimiert ägyptische Herrscher und lässt ausländische Könige, die Interesse am ägyptischen Thron anmelden, außen vor. Auch wird die Herrschaft des Königs und seine „göttliche“ Stellung durch die heilige Hochzeit konzipiert. Es gibt verschiedene Mythen darüber, zum Beispiel auch eine Bildergeschichte, wo die Geburt eines Gottkönigs erzählt wird, „Die Zeugung des Sohnes“.2

Pharao Insignien

Wie dazumal mit der Göttlichkeit des Königs umgegangen wurde, darüber weiß man nicht viel. Doch vermutlich hat es kaum oder nur bedingt Königskulte zu den Lebzeiten eines Königs gegeben. Die Verehrung des verstorbenen Königs im Totenkult, darf nicht dazugezählt werden, da sie zum allgemeinen Totenglauben der Alten Ägypter gehörte. Denn sie wollten künftig, ebenso wie der tote König, am ewigen Leben im Jenseits teilhaben.

Die Verehrung des Pharao im Alten Ägypten geht also kaum über das Zeremoniell der äußerlichen Amtstracht hinaus. Neben den göttlichen Kronen und Zeptern, die zu den Insignien eines Pharao gehören, trägt er die Lebensschleife, das Anch und vor allem die Stirnschlange des Re, die Uräusschlange. Pharaonen tragen auch den typischen Königsbart, selbst die weiblichen Pharaonen.

Der Pharao als Mensch

König Echnaton (Amenophis IV.)
Pharao Echnaton – Geburtsname Amenophis IV.

Trotz vieler Umschreibungen, dass der Pharao im Alten Ägypten zu den Göttern gehört, steht er den Göttern nicht ebenbürtig gegenüber. Das vermitteln die meisten Texte und Bilder. Selbst da, wo er in der Nähe der Götter weilt, z. B. bei seiner Krönung, stellt man ihn als Empfangenden dar. Er wird von den Göttern beschenkt, begnadet, mit Kräften ausgestattet. Nur wenige Texte, die einen anderen Eindruck vermitteln, stammen aus einer sehr frühen Zeit.

Allein die königliche Ausübung des Kultes, seine Herrschaft über das Land und alle damit zusammenhängenden Tätigkeiten stellten ihn auf die Seite der Menschen. Er hatte Pflichten zu erledigen, auch jene religiösen Pflichten, die zu den höchsten priesterlichen Aufgaben gehören. Er hielt die Maat aufrecht, d. h. die ägyptische Weltordnung.

Etwas mehr private Verehrung erfuhren jene Könige, die etwas Besonderes geleistet hatten. Manchmal handelte es sich um Loyalitätsbekundungen, wie etwas bei Beamten oder Militärpersonen, die dem König auffällig viele Denksteine in Tempeln stifteten.

Der Pharao stand also zwischen den Göttern und (etwas näher) den Menschen. Am ehesten lässt sich sein Status mit dem eines Heiligen vergleichen.

Weibliche Pharaonen im Alten Ägypten

Tempel der Pharaonin Hatschepsut
Tempel der Pharaonin Hatschepsut

Es gab sie, wenn auch nicht oft. Vier weibliche Pharaonen herrschten über Ägypten. Sie tauchen sogar in den Königslisten auf. Am bekanntesten dürfte Hatschepsut sein, die zuerst anstelle ihres minderjährigen Stiefsohns regierte und später die Alleinherrschaft übernahm. Ein anderes bekanntes Beispiel ist Kleopatra, die in der griechisch-römischen Zeit regierte. Doch auch andere Frauen haben Regierungsaufgaben übernommen, trugen jedoch keine königlichen Titel. Ein Beispiel ist Teje, die königliche Gemahlin von Amenophis III. und Mutter von Echnaton.

Für die weiblichen Pharaonen galt das Gleiche wie für die männlichen Pharaonen, sofern sie über Ägypten herrschten. d. h. sie waren von den Göttern legitimiert.

Königin als Ehefrau im Alten Ägypten

Als Ehefrau hatte die ägyptische Königin keinen Anteil an der „Göttlichkeit“ ihres Gemahls. Denn die „Göttlichkeit“ gründet sich auf das Amt des Herrschens. Die ägyptische Königin ist in ihrer Funktion der Gemahlin „die Freundin des Horus“, „die den Horus-Seth schaut“, „die Gemahlin des Gottes“ oder die „Mutter des Gottes“.3

Hinzu kommt, dass die Ehefrau eines Königs meistens aus der nahen Verwandtschaft stammte, im Gegensatz zu den bürgerlichen Eheschließungen. Auch das drücken manche Bezeichnungen aus: „Tochter eines Königs“, „Schwester eines Königs“, „Mutter eines Königs“.4 Man erhoffte sich dadurch die Reinheit des (königlichen) Blutes. Heute wissen wir, dass das Gegenteil der Fall ist.

Manche ägyptische Königinnen werden gemeinsam mit ihrem Gatten verehrt, doch sie erhalten dadurch nicht dessen „göttlichen“ Status. Das gilt auch für jene Königinnen, die an die Stelle einer Königsmutter gesetzt und entsprechend dargestellt wurden, z. B. mit der Geierhaube von Nechbet, mit der Krone von Hathor, der Isis oder der Mut.

Pharao: Titel und Namen

Hieroglyphenschrift mit 2 Kartuschen.
In der Hieroglyphenschrift sind zwei Kartuschen (ovale Rahmen) gut zu erkennen.

Die Könige (Pharaonen) trugen 5 Namen in folgender Reihenfolge:

  1. Horusname
  2. Herrinnenname (auch Nebtiname)
  3. Goldhorusname (auch Goldname)
  4. Thronname, geschrieben in einer Kartusche
  5. Geburtsname (auch Eigenname), geschrieben in einer Kartusche

1. Horusname

Die Reihenfolge der Königsnamen passt auch zur Abfolge ihrer zeitlichen Einführung. Der Horusname ist also der älteste Titel des Königs bzw. Pharaos (vor der 1. Dynastie). Er wird in ein rechteckiges Kästchen geschrieben, auf dem ein Falke thront bzw. voransteht. Der Horusname steht auf Denkmälern und bezeichnet den König als Verkörperung des Horusfalken. Horus bedeutet „der Ferne, der Hohe“. Das lässt sich sehr gut auf die Erhabenheit des Königs übertragen.

2. Herrinnenname bzw. Nebtiname

Der Herrinnenname bzw. der Nebtiname leitet sich von den beiden Göttinnen ab, der Göttin Nechbet, Landesgöttin über Oberägypten und der Göttin Wadjet (Uto), Landesgöttin über Unterägypten. Beide symbolisieren die Einheit Ägyptens. Beide Göttinnen sitzen jeweils in einem Korb. In der Hieroglyphe von Nechbet ist es der Geier und in der Hierglyphe von Wadjet (Uto) ist es die Schlange, welche in einem Korb sitzt. Es handelt sich also um den König als „Herr der beiden Länder„, nämlich von Ober- und Unterägypten.

3. Goldhorusname bzw. Goldname

Das Symbol für den Goldhorusnamen (auch Goldname) ist ein Falke, nämlich Horus, der auf der Hieroglyphe für Gold sitzt. Vermutlich wird hier der König mit der Sonne gleichgesetzt, die auch in Falkengestalt auf der Barke über den Himmel fährt.

4. Thronname

Der Thronname ist ein Verweis auf den weltlichen Herrscher. Die dazugehörigen Hieroglyphen sind die Binse und Biene, also „der zur Binse und Biene gehörige“ 5. Die Bedeutung ist noch nicht sicher. Vielleicht spiegelt sich in diesem Namen eine Art Regierungsprogramm. Der Thronname wird von einer Kartusche umrahmt.

5. Geburtsname bzw. Eigenname

Der Geburtsname (bzw. Eigenname) ist immer der zuletzt genannte Name des Königs, der ebenfalls von einer Kartusche umrahmt wird. Bei der Geburt eines Kindes war nicht klar, ob es seinem Vater auf den Thron folgt. Deshalb enthielt der Name kein „Programm“, im Gegensatz zu den anderen Namen. Es handelte sich um einen ganz normalen bürgerlichen Namen. Der Geburtsname wird als solcher seit der 5. Dynastie durch die Bezeichnung Sa Ra, d. h. „Sohn des Re, verdeutlicht.

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Quellen und Einzelnachweise

1 Bonnet, Hans (2000), „Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte“, 3. unveränderte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hamburg, Seite 384.
2 Vgl. Assmann, Jan (2010) „Politik und Religion. Altägyptische und biblische Ausprägungen eines aktuellen Problems„, Seite 87 ff. (Originalveröffentlichung in: J. Assmann, Harald Strohm (Hg.), Herrscherkult und Heilserwartung, München 2010, S. 83-105).
3 Bonnet, Hans (2000), „Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte“, 3. unveränderte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hamburg, Seite 388.
4 Helck, Wolfgang und Otto, Eberhard (1999), „Kleines Lexikon der Ägyptologie“, 4. Auflage, MZ-Verlagsdruckerei GmbH, Memmingen, Seite 148.
5 Ebd. Seite 153.

  • Wikipedia (zuletzt aktualisiert: 2021, 24. November) „Pharao“ (Stand: 10.01.22).
  • Bolten, Götz, in Planet Wissen (09.12.2020) „Pharaonen“ (Stand 10.01.22).
  • Helck, Wolfgang und Otto, Eberhard (1999), „Kleines Lexikon der Ägyptologie“, 4. Auflage, MZ-Verlagsdruckerei GmbH, Memmingen, Seite 147 f. (König, Königin) und Seite 152 (Königsnamen und -titel).
  • Bonnet, Hans (2000), „Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte“, 3. unveränderte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hamburg, Seite 380 bis 388 (König, Königin) und Seite 408.
  • Assmann, Jan (2010) „Politik und Religion. Altägyptische und biblische Ausprägungen eines aktuellen Problems„, Seite 86 f. (Originalveröffentlichung in: J. Assmann, Harald Strohm (Hg.), Herrscherkult und Heilserwartung, München 2010, S. 83-105).