Das alte Ägypten

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Symbol Sonne

Die Sonne ist in vielen, wenn nicht gar allen Kulturen ein wichtiges Symbol, auch im Christentum, im Alten Ägypten oder in anderen spirituellen Ausrichtungen. Oft wurde sie in alten Kulturen als höchste Gottheit verehrt.

Früher stellte man sich die Sonne als eine Scheibe vor, die zum Beispiel im Alten Ägypten nicht ganz rund ist, sondern eher linsenförmig.

Der Sonnenlauf: Tod- und Wiedergeburt

Der Sonnenlauf symbolisiert Tod- und Wiedergeburt des Menschen und damit sein gesamtes Leben. So lässt sich die Sonne, wie auch der Mensch, gemäß ihres Alters beschreiben: jung am Morgen, erwachsen in ihrem höchsten Zenit am Mittag und alternd bei Sonnenuntergang. Wir finden in ägyptischen Texten die Zuordnung verschiedener Formen der Sonnengötter: „Chepre am Morgen, Re am Mittag, Atum am Abend.“ Chepre bedeutet „der Werdende“, deshalb steht er hier für die Morgensonne. Doch auch das Verb „dahinschwinden“ klingt in Chepre an. Deshalb kann er auch für die Abend- oder Mitternachtssonne stehen.

Morgensonne
Die Morgensonne Ra steht für Stärke.

Es gibt in einem Sonnenritual zu den vier Sonnenzeiten vier Anrufungen der Sonne:

  • Um 6 Uhr Früh: Ra (Re), die aufgehende Sonne. Sie steht für Stärke.
  • 12 Uhr Mittag: Ahathoor, Sonne im Zenit. Sie steht für den Triumph und die Schönheit.
  • 18:00 Abend: Atum (Tum), die untergehende Sonne. Sie steht für Beständigkeit und Freude.
  • 24:00 Mitternacht: Kephra (Chepre), die Mitternachtssonne (Mond). Sie steht für Stille und Verschwiegenheit.

Die tägliche Wiederkehr der Sonne wird im Alten Ägypten nicht für selbstverständlich gehalten. Mittels kultischer und magischer Riten wird sie beschworen. Natürlich weiß auch der Alte Ägypter, dass die Rituale alleine nicht die Ursache für ihre Wiederkehr sind. Doch sie sind wichtig für das Aufrechterhalten der bestehenden Gesellschafts- und damit Weltordnung. Dazu gehört auch ein friedliches Zusammenleben der Menschen mit ihren Göttern. Wird die Weltordnung gestört, ist auch der Kosmos in Gefahr und könnte zurück in seinen Urzustand vor der Schöpfung, der Finsternis, fallen.

Durch ihre Wiederkehr wird die Sonne zu einem Symbol der Größe und der Ausdauer.

Sonne als Quelle des Lebens

Als Licht- und Wärmespender wird die Sonne in den verschiedensten Kulturen als Quelle des Lebens verstanden. Manche Kulturen verehren sie daher als höchste Gottheit, zum Beispiel die Indios, aber auch die Alten Ägypter (zumindest zeitweise explizit -> Aton). In vielen Kulturen wird die Sonne männlich personifiziert, während die Erde als Fruchtbarkeitssymbol weiblich dargestellt wird. Als Quelle des Lebens ist die Sonne oft Vater und die Erde Mutter.

Als Quelle des Lebens ist die Sonne auch ein Symbol für Vitalität, Stärke und Kraft, Lebensfreude, Licht.

Symbol Sonne: Quelle des Lebens
Sonne als Quelle des Lebens.

Symbol für Rhythmus, Zeit, Zyklus

Früher lebten die Menschen sehr eng im Rhythmus der Sonne. Sie standen bei Sonnenaufgang auf und begaben sich nach Sonnenuntergang zur Ruhe. Das hat sich heute etwas verändert, da wir auch auf andere Lichtquellen zurückgreifen können. Dennoch ist unser Biorhythmus immer noch nach der Sonne ausgerichtet. Denn nachts wird normalerweise geschlafen. In sehr heißen Ländern machen die Menschen mittags Siesta. Wir richten unseren Lebensrhythmus meistens nach der Sonne aus, auch wenn uns das oft nicht mehr bewusst ist. Die Sonne ist wie eine natürliche Uhr, nach der wir nicht nur unseren Tag, sondern auch unser Leben einteilen.

Denn auch die Jahreszeiten sind mit der Sonne und ihrer Bahn aufs Engste verknüpft. Der Ackerbau richtet sich nach den Jahreszeiten und damit nach dem Stand und dem Lauf der Sonne. Die Erfindung des Ackerbaus war für alle Kulturen überlebenswichtig. Die Sonne ist damit Bewegung, Takt, Rhythmus und Zyklus unseres Lebens. Sie steht aber auch für Fortschritt und Entwicklung.

Symbol für Erkenntnis, Entwicklung, Fortschritt

Symbol Sonne: Kreis mit einem Punkt in der Mitte.
Sonnensymbol: Kreis mit einem Punkt in der Mitte.

Die Sonne ist heutzutage auch ein Symbol für Energie – für unendlich viel Energie. Unsere Entwicklung und unser Fortschritt hängen mit der Energie-Gewinnung sehr eng zusammen. Nichts geht mehr ohne Energie und bei der Energie-Gewinnung sollte die Sonne eine entscheidende Rolle spielen.

Es geht aber hier auch um unsere Lebensenergie, unseren Geistfunken (Intuition) unsere Tatkraft und unser Einfallsreichtum. Es geht um unsere eigene, persönliche Entwicklung, nicht „nur“ um „materiellen“ Fortschritt. So kann auch ein Mensch von innen heraus „leuchten“. Damit sind hier keine soft esoterischen Hinterwelten gemeint. Charismatische, freundliche, positiv denkende und optimistische Menschen wirken authentisch. Solche eher „sonnigen“ Eigenschaften lassen sich bei bestimmten Menschen wahrnehmen.

Die Sonne ist des Weiteren ein Symbol für Erkenntnis. Jeder kennt den Spruch: „Ihm ist ein Licht aufgegangen.“ Im Zusammenhang mit der kulturellen, gesellschaftlichen oder menschlichen Entwicklung ist das Sonnenrad ein passendes Symbol, denn es bewegt sich. Ohne Bewegung keine Veränderung, ohne Veränderung keine Entwicklung.

Symbol des monotheistischen Denkens

Mit dem Monotheismus ist der Glaube an einen einzigen (wahren) Gott gemeint. Das war im Alten Ägypten die Sonne bzw. der Sonnengott Aton zur Zeit des Pharao Amenophis IV (Echnaton). Doch dieses Denken konnte sich im Alten Ägypten (noch) nicht durchsetzen. Es setzte sich erst später durch, u. a. mit dem Christentum.

Sinnbild für die Dreifaltigkeit im Christentum

Sonnensymbolik: Heiligenschein
Sonnensymbolik im Heiligenschein.

Die Sonne wurde in der frühen Christenheit (z. B. in Griechenland) als Symbol für die Dreifaltigkeit Gottes verwendet:

  • Die Sonnenscheibe: Gott-Vater,
  • Sonnenstrahlen: für Gott-Sohn,
  • strahlende Wärme: für Gott-Geist.

Die Sonne ist aber auch das Symbol für Gott und für Christus. Jeder dürfte Heiligenbilder kennen, auf welchen die Heiligen die Sonne als Attribut über ihren Köpfen tragen. Die Sonne ist ebenso ein Sinnbild für den Himmel, der reinen Lichtwelt, wo Gott, die Engel und die Seligen leben.1

Sonne als Symbol für Freiheit

Die Sonne ist auf den Flaggen vieler Länder zu finden. In diesem Zusammenhang steht sie sehr oft als ein Symbol für Freiheit.2

Sonnensymbole

Die Sonne symbolisiert das Zentrum des Seins – spätestens seit wir wissen, dass die Erde um die Sonne kreist. In der heutigen Zeit wird die Sonne als Symbol für das Selbst eines Menschen (im Unterschied zu seinem Ich) verstanden. Andere Begrifflichkeiten dafür sind: das eigene Innerste, das eigentliche Selbst, das künftige (verborgene) Selbst, der Wesenskern, die ureigenste Essenz. Es gibt ein passendes Sonnensymbol dazu, ein Kreis mit einem Punkt im Mittelpunkt des Kreises.3

Es handelt sich dabei um ein uraltes Symbol, welches von der Astrologie und Astronomie als Symbol der Sonne verwendet wird. Ursprünglich kommt es tatsächlich aus dem Alten Ägypten und ist das ägyptische Zeichen für Sonne oder Ra (Re) im hieroglyphischen Zeichensystem.

Sonnenvogel Phönix - ägyptischer Gott Benu in Gestalt eines Reihers.
Der Sonnenvogel Phönix – ägyptischer Gott Benu in Gestalt eines Reihers.

Solare Tiersymbole

Ein ganz typisches solares Tiersymbol ist der Phönix, welcher sich selbst verbrennt und aus seiner Asche neu entsteht. Im Alten Ägypten ist das Benu, dessen Kult aufs Engste mit dem Sonnengott Re zusammenhängt. Das Wort „Benu“ leitet sich von „Boinu“ ab und bedeutet „aufgehen, leuchten“.

Sonne im Alten Ägypten

Oft wird die Sonne im Alten Ägypten als Auge des Himmelgottes verstanden (Sonnenauge) und genauso oft als ein selbstständiger Weltkörper. Ihr bekanntester Name ist Re (auch Ra). Doch es gibt eine Reihe von ägyptischen Sonnengöttern, welche die Sonne selbst oder wichtige Wesensmerkmale verkörpern.

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Quellen und Einzelnachweise

1 Vgl. Wikisource (zuletzt aktualisiert: 2020, 23. Februar), „Christliche Symbolik/Sonne“ (Stand: 16.12.21).
2 Siehe: Diem, Peter, Austria-Forum (zuletzt aktualisiert: 2015, 22. Mai), „Die Sonne“ (Stand: 16.12.21).
3 Siehe zu diesem aber auch zu anderen Sonnensymbolen: Wikipedia (zuletzt aktualisiert: 2021, 30. Oktober) „Sonnensymbol“ (Stand: 16.12.21).

Bonnet, Hans (2000), „Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte“, 3. unveränderte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hamburg, Seite 729 bis 733 (Sonne).