Das alte Ägypten

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Tempel im Alten Ägypten

Der Tempel im Alten Ägypten war ein Gotteshaus, der Wohnsitz bzw. eine Behausung, wo der Gott wohnte. Durch Rituale wurde mit dem Gott interagiert. Sie unterstützten ihn, seine Rolle in der Natur und Menschenwelt wahrnehmen zu können. Die Rituale im Alten Ägypten waren wichtig für die Aufrechterhaltung der Maat – Gerechtigkeit und Ordnung. Das war auch der Zweck eines Tempels.

Man unterscheidet göttliche Tempel und Totentempel (Pyramiden, Grab), hat aber Probleme sie eindeutig zuzuordnen bzw. zur trennen. Denn Rituale für die Toten und Rituale für die Götter schlossen sich keineswegs aus, da der Tod im Alten Ägypten immer ein wichtiges Thema war. Es gab dennoch Tempel, die ihren Schwerpunkt auf verstorbene Könige legten und deren Geistern opferten.

Tempel als Symbol der Welt

Die eigentliche Heimat des Gottes ist im Alten Ägypten nicht der Tempel, sondern der Himmel. Deshalb wurde die Decke des Schreins im Heiligtum, der das Götterbild beherbergte, gerne mit Sternen bemalt. Das wurde dann im Laufe der Zeit auf den gesamten Tempel ausgeweitet, und man bemalte die Decke mit fliegenden Göttervögeln und Sternen. Den Boden schmückte man hingegen mit Stauden, die, wie auch die Blütenstängel an den Säulen, die Erde symbolisieren. Damit wurde der Tempel zu einem Abbild und Symbol der Welt im Alten Ägypten.

Heiligtum der Hatschepsut
Heiligtum im Tempel der Hatschepsut mit Sternen an der Decke.

Bau von Tempeln im Alten Ägypten

Tempel sollten im Alten Ägypten ewige Häuser der Götter sein. Deshalb verwendete man für ihren Bau Stein oder schlug sie in Felsen. Meist kam Kalkstein und Sandstein zum Einsatz, doch ohne Mörtel zu benutzen. Denn die Steine wurden so bearbeitet, dass sie zu den (ungleichmäßigen) Nachbarsteinen passten. Das Fundament eines Tempels bestand aus Steinplatten.

Granit wurde eher für Obelisken verwendet, da sie sehr viel schwerer zu bearbeiten waren. Frühere Tempel baute man aus Ziegeln und anderen verderblichen Materialien. Sie sind daher verfallen und man weiß nur wenig über sie.

Finanzierung der Tempel

Totentempel der Hatschepsut
Totentempel der Hatschepsut in Theben am Westufer.

Im Alten Ägypten hatte der Pharao die Aufgabe, die Tempel in seinem Reich zu unterhalten, zu versorgen und – falls notwendig – zu erweitern. Er war der oberste Priester, auch wenn er die damit verbundenen Aufgaben meist delegierte. Tempel benötigten enorme Ressourcen. Zehntausende von Priestern, Handwerkern und Arbeitern arbeiteten dort.

Den Großteil der wirtschaftlichen Ressourcen erwirtschaftete der Tempel meist selbst. Das geschah zum Beispiel durch Ackerland, auf dem Getreide, Obst oder Wein angebaut wurde. Es gab auch Viehherden, die man gewinnbringend verkaufte. Der Tempel bearbeitete die Flächen selbst oder verpachtete sie. Er unternahm auch Expeditionen in die Wüste, um Ressourcen zu beschaffen, z. B. Salz, Honig, Mineralien und Wild. Die Produkte und das Eigentum eines Tempels wurden vom Pharao (häufig) besteuert. Der Pharao konnte Gewinne von Tempeln an andere favorisierte Tempeln verteilen. Gerne wurden Totentempel längst verstorbener Pharaonen abgeschöpft. Das konnte bis zur Schließung von Tempeln gehen.

Die Verwaltungen großer Tempel gewannen im Alten Ägypten erheblich an Einfluss. Sie waren deshalb vermutlich eine Herausforderung für schwache Pharaonen. Doch man weiß nicht, wie unabhängig die Verwaltungen großer Tempel vom Pharao waren.

Ein Teil der Vorräte stammten direkt aus den Spenden des Königs (Pharaos). Im Neuen Reich stammten die Spenden oft aus Beutestücken der Militär-Feldzüge. Auch konnte der König von der Bevölkerung Steuern erheben, die direkt in den Unterhalt von Tempeln flossen. Es gab ebenfalls Einnahmen des Tempels, die von Privatpersonen stammten. Sie tauschten Waren, Land, Sklaven gegen Opfergaben und priesterliche Dienste, um ihre eigenen Geister im Jenseits zu unterstützen.

Tempel als Kultstätte im Alten Ägypten

Es gab Tempel in den unterschiedlichsten Größen und es gab Tempel, die zu unterschiedlichen Zeiten gebaut wurden. Wenn man sich ansieht, welche Grundformen sich mehrheitlich wiederholen, findet man heraus, was im Alten Ägypten an Tempeln besonders wichtig war. Trotz aller Unterschiede sind drei Raumkomplexe bzw. Kultstätten immer vorhanden, die auch für sehr frühe Heiligtümer kennzeichnend sind:

  1. Kapelle und Allerheiligstes
  2. Vorraum (Pronaos, Vorhalle, Vorsaal)
  3. Hof oder Vorhof

Damit die Maat, d. h. die göttliche Ordnung im Universum, aufrechterhalten werden konnte, war eine Vielzahl von Ritualen (Reinigungen, Räucherungen), Opfern, Festlichkeiten, Prozessionen notwendig, die der Pharao (König) in den meisten Fällen an (hochrangige) Priester delegierte. Denn man musste die Kräfte des Chaos permanent abwehren.

Obwohl die Bevölkerung an den Ritualen und Zeremonien innerhalb des Tempels nicht teilnahm, war für sie der Tempel eine wichtige Stätte. Sie gingen dorthin, um zu beten, Opfergaben zu bringen und um den entsprechenden Gott um Orakel zu bitten.

1. Die Kapelle und das Allerheiligste im Tempel

Ägypten Tempel Weg in das Allerheiligste.
Auf dem Weg ins Heiligtum.

Die Kapelle bildete das geistige Zentrum des Tempels und blieb es über die Jahrhunderte bzw. Jahrtausende. Eine Kapelle im Alten Ägypten hat es immer gegeben, auch wenn der Tempel sehr klein war. Sie wurde in der Urzeit aus Flechtwerk gebaut und war oft rechteckig. Doch auch quadratische und runde Kapellen hat es gegeben. Später hat sich die Langform der Kapelle durchgesetzt.

Das Allerheiligste befindet sich in der Kapelle, die mehrere Nebenkapellen (oft zwei) haben kann. Das Allerheiligste im Tempel liegt zentral auf der Mittelachse und wird meist von zwei schmäleren Räumen, den Nebenkapellen, umrahmt. Diese waren für die Beigötter gedacht. Es gibt einen Tempel, der sogar 7 Kapellen beinhaltet. Denn man brauchte mehr Platz, wenn sich das Kult-Inventar vergrößerte.

Im Allerheiligsten (oder Heiligtum) befand sich das Kultbild des Gottes und war der wichtigste Teil im Tempel. Es war meistens klein und stand in einem Naos, der oft aus Holz bestand oder gelegentlich aus einem Steinblock gebildet wurde. Andere Kultgeräte und heilige Symbole wurden ebenfalls in der Kapelle aufbewahrt. Ein Beispiel für ein Kultgerät ist die Barke, in welcher der Gott den Tempel verlassen konnte. Das war bei ägyptischen Festen der Fall, wo Prozessionen stattfanden. Der Gott auf seiner Barke bildete den Mittelpunkt der Prozessionen, bei welchen man den Gott um Orakel bat. Auch in der Kapelle wirkte die Prozessionsbarke sehr präsent und wurde in einigen Tempeln zum Sitz des Gottes und Hauptort des Allerheiligen.

Im Heiligtum war es stockdunkel, was den heiligen Charakter betonten sollte. Deshalb befand sich das Kultbild auch auf der Barke in einem geschlossenen Naos, wo kein Licht eindringen konnte.

2. Der Vorraum im ägyptischen Tempel

Säulen im Karnak-Tempel des Amun-Re.
Säulen des Hypostyls im Karnak-Tempel des Amun-Re.

Jede Kapelle braucht eine Umgrenzung, denn sie ist geweiht und bedarf eines räumlichen „Puffers“. Bei den ersten einfachen Kapellen war es ein eingezäunter Bereich, bevor man in die Kapelle eintrat. Der Vorraum ist also jener Ort, der zwischen der profanen Welt und der Stätte des Gottes liegt.

Es können auch mehrere Vorräume (Vorsäle, Vorhallen) vorhanden sein. Die Vorhalle (auch Pronaos) kann von Säulen gestützt sein (meist zwei) und hat sich seit dem Mittleren Reich zu einem Säulensaal erweitert. Die Hallen haben bestimmte Funktionen, was ihre Namen ausdrückten, zum Beispiel: „Halle des Erscheinens“ oder „Opferhalle“. Sie spielen also auch im Kult eine gewisse Rolle. Oft gehen die Vorräume in den offenen Hof des Tempels über. Die Halle, zum Beispiel das Pronaos, welcher nicht zum Hof gehört, grenzt man meistens ab. Das geschieht zum Beispiel dadurch, dass man sein Boden ein bisschen höher legt, als den Boden des Hofes.

In späteren Tempel grenzt man das Pronaos ab, indem man Wände, auch halbhohe Wände, drumherum errichtet. Damit wurde deutlich, dass er nun zu einem Bereich gehört, der nur einem engeren Kreis zugänglich ist.

3. Der Vorhof im ägyptischen Tempel

ägyptischer Tempel Insel Philae - Vorhof
Vorhof des Tempels auf der Insel Philae mit Blick zum Ausgang.

Der Vorhof ist ein Bereich eines Tempels, der allen Gläubigen offen stand. Deshalb nannte man ihn auch „Halle der Menge“ oder „Halle der Spenden“, denn dort wurde geopfert. Der Eingang zum Vorhof ist auch der Eingang zum Tempel bzw. ebenfalls Eingang zu einem Grab. Das Eingangs-Portal wurde durch ein monumentales, doppel-türmiges Bauwerk eingerahmt. Diese Art des Baus nennt man Pylon. Dort befestigte man gerne Flaggenmasten in unterschiedlicher Anzahl, von vier bis zehn. Die Flaggen bzw. Wimpel selbst haben verschiedenen Farben: weiß, grün, blau und rot. Sie sollten nicht nur schmücken, sondern auch Unheil fernhalten.

Größere Tempel haben oft zwei Vorhöfe. Manchmal bekamen größere Tempel ein weiteres Pylon mit einem weiteren umrahmten Eingangstor. Das war eine gängige Methode, den Tempel zu vergrößern. Der große Tempel von Karnak hat sogar 6 Pylone! Damit das Maß optisch passt, baute man jedes Pylon etwas breiter. Die Umfassungsmauern baute man wie einen Mantel um den alten Tempel herum. Dieses Ummantelungsprinzip wurde später in das Grundschema eines Tempels aufgenommen.

Zwischen den beiden Türmen der Pylone erscheint am Morgen die Sonne. Sie durchflutet mit ihrem Licht das Innere des Tempels. Die beiden Türme stehen für das Schwesternpaar Isis und Nephthys. Sie flankieren aber nicht nur die aufgehende Morgensonne und heben den Sonnengott empor, sondern sind primär Wächterinnen von Osiris. Das bedeutet, dass sie als Wächterinnen das Allerheiligste, den ruhenden Gott im Tempel, beschützen. Das passt sehr gut zur Funktion der Pylone, denn dabei handelt es sich um eine Schutzwehr.

Der Weg in den Tempel

Ägypten Tempel auf der Insel Philae.
Tempel auf der Insel Philae. Das Eingangsportal als Pylon.

Im Alten Ägypten wurde der Weg zum Tempel wie eine Feststraße gestaltet. Im Alten Reich handelte es sich vermutlich um einen ummauerten Aufweg zum Eingang des Tempels, dem Pylon. Ab dem Mittleren Reich baute man Alleen aus Götterfiguren oder Sphingen (Einzahl: Sphinx). Die Feststraße wird also von beiden Seiten durch Sphingen bzw. Götterfiguren flankiert.

Schreitet man durch das Eingangsportal in den Tempelbereich, kommt man bei manchen Tempeln in einen Säulengang, der mitten durch den Vorhof führt. Manchmal setzt er sich etwas erhöht im Mittelschiff des Säulensaals fort. Der Alte Ägypter nennt diesen Weg „Gottesweg“. Denn man baute ihn für den Gott, um ihm einen würdigen Weg für seinen Auszug an Festen und für seine Heimkehr zu bereiten. Doch der Gottesweg bereitete auch die Frommen geistig vor, die Wallfahrten zu dem Tempel unternahmen.

Setzt man seinen Weg fort, wird dieses Gefühl intensiviert. Denn der Weg stimmt ganz auf eine Begegnung mit etwas Außergewöhnlichem ein. Je tiefer man in das Gebäude kommt, desto dunkler, enger und niedriger werden die Räume. Inmitten dieser großartigen und weiträumigen Tempelanlage ist das Allerheiligste, eine schlichte, bescheidene Kapelle, wie es auch zu ganz frühen Zeiten war. Dorthin gelangten im Alten Ägypten nur der Pharao und stellvertretende (hochrangige) Priester. Im Allerheiligsten, dem verschlossenen Naos (Schrein) befindet sich das Kultbild des Gottes, welchem der Tempel geweiht wurde.

Der Weg des Königs in den Tempel bis in das Allerheiligste hinein ist symbolisch der Weg von der Erde zum Himmel. Der Alte Ägypter stellte sich den Himmelsaufstieg also nicht nur von unten nach oben, sondern in der Tempelarchitektur auch von außen nach innen vor.

Der heilige Tempelbezirk

Karnak-Tempel in Ägypten, nördlich von Luxor
Karnak-Tempel nördlich von Luxor.

Um den Tempel herum breitete sich schon in der Frühzeit ein heiliger Bezirk aus, welcher durch eine Mauer begrenzt wurde. Innerhalb des heiligen Bezirkes befinden sich mehrere Nebengebäude. Das können Heiligtümer von befreundeten Gottheiten sein oder Gebäude, die für den Kult des Hauptgottes wichtig waren, zum Beispiel Geburtshäuser. In diesem Bezirk befindet sich auch der heilige See, wo sich Stallungen für das Geflügel befanden. Sie wurden gerne für Opfer verwendet. Wirtschaftsgebäude kommen in wachsender Anzahl hinzu, ebenso Verwaltungsgebäude, Schreibstuben, Wohnungen für die Priester (die Pastophoria). Selbst einen kleinen Palast gab es für den König im Alten Ägypten, damit er bei Festen eine Wohnmöglichkeit hatte.

Teils gab es im Tempelbezirk sogar Absteigen, Gaststätten und Herbergen für private Leute. Das Leben in den Tempelbezirken war (laut späterer Schriften) sehr lebendig und weltlich. Es gab Händler, Gewerbetreibende, Ärzte und Traumdeuter, die gute Geschäfte machten. Ein großer Tempel war im Alten Ägypten also wirtschaftliches und religiöses Zentrum. Er besaß beträchtliche Landflächen und beschäftigte viele Laien, um seinen Bedarf decken zu können.

Dadurch gewannen Tempel an Einfluss, allen voran die leitenden Priester. Obwohl sie dem König untergeordnet waren, konnten sie beizeiten ihre eigenen Interessen durchsetzen und sogar die Autorität eines Königs infrage stellen.

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Quellen

  • Wikipedia (zuletzt aktualisiert: 2022, 3. Januar) „Ägyptischer Tempel“ (Stand: 19.01.22).
  • Bonnet, Hans (2000), „Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte“, 3. unveränderte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hamburg, Seite 778 bis 788 (Tempel).
  • Helck, Wolfgang und Otto, Eberhard (1999), „Kleines Lexikon der Ägyptologie“, 4. Auflage, MZ-Verlagsdruckerei GmbH, Memmingen, Seite 305 ff. (Tempel).
  • Assmann, Jan (2010), „Magie und Ritual im Alten Ägypten„, Seite 40 (Originalveröffentlichung in: J. Assmann, Harald Strohm (Hg.), Magie und Religion, München 2010, S. 23-43)