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Ägyptisches Symbol – Pyramide

Die Pyramide ist Symbol für den Urhügel und Wohnort des Sonnengottes. Deshalb wurde im Alten Reich ihre Spitze vergoldet, um die Strahlen des Sonnengottes einzufangen. Ihre Spitze symbolisierte vermutlich seinen Sitz. Doch ihre Symbolik scheint sich im Laufe der Zeit verändert zu haben.

Die Pyramiden, die uns heute so beeindrucken, sind meistens Königsgräber, also Gräber von Pharaonen gewesen. Deshalb nennt man die Pharaonen auch Pyramidenbauer.

Vorläufer der Pyramiden

Als Vorläufer der Pyramiden gelten die Mastaba. Dabei handelt es sich um rechteckige, einstufige Grabbauten. Man unterscheidet zwei Typen von Mastabas:

  • Als Grabmal hat die Mastaba glatte Wände. Sie wirkt wie ein eckiger Erdhügel und schützt das Grab durch eine Einfassung.
  • Der zweite Typ ist eher ein Wohnort des Toten. Dieser Wohnort hat einen Palast zum Vorbild. Man hat dort hohe Beamte und Könige beigesetzt.
Djoser-Pyramide in Sakkara
Djoser-Pyramide: Die erste und älteste ägyptische Stufenpyramide in Sakkara.

Die Blütezeit der Mastaba war das Alte Reich. Durch den Bau der Pyramide sollten vermutlich besonders eindrucksvolle Königsgräber gebaut werden. Den Weg zum Pyramidenbau lässt sich gut nachverfolgen. Zum Beispiel war auch die Stufenpyramide ein Zwischenschritt bis zu ihrer endgültigen Form. Die im obigen Foto abgebildete Stufenpyramide, namens Djoser-Pyramide, ist nach dem Vorbild der Mastaba gebaut. Es ist die älteste und erste Stufenpyramide der Welt. Sie entstand 2650 v. Chr.

Pyramide als solares Symbol?

Der Alte Ägypter hat mit Sicherheit religiöse Gedanken mit der Pyramide verknüpft. Ihre Spitze setzt er mit der Spitze des Obelisken in Beziehung. Denn er gab ihr den gleichen ägyptischen Namen. Durch die Goldfärbung der Spitze (in der Alten Zeit) wurden die Sonnenstrahlen eingefangen. Insofern galt auch die Spitze der Pyramide als Sitz der Sonne bzw. des Sonnengottes. Doch so ganz sicher ist man sich darüber nicht. So gesehen wäre die Pyramide (nur) eine Weiterentwicklung des Obelisken.

Denn es gab später auch Pyramiden, deren Spitze aus schwarzem Granit bestand. Auf ihr soll sich Ba niederlassen, um den Sonnenaufgang zu schauen. Die schwarzen Spitzen bildeten einen sehr starken Kontrast zu den Kalksteinblöcken. Die vier Seiten der Pyramide tragen unterschiedliche Inschriften. Auf der Ostseite ist zu lesen: „Geöffnet ist das Gesicht des Königs …; er schaut den Herrn des Horizontes, wie er den Himmel durchfährt“. Hier wird tatsächlich der Sonnengott angesprochen, aber nur hier. Denn auf der Nord- bzw. Westseite geht es bei den Inschriften um die altägyptische Vorstellung des Totenkults bzw. um die Vorstellung des Sternenhimmels als Stätte der Verklärten. Andere Schutzgötter werden genannt, die keinen Bezug zur Sonne oder solare Eigenschaften haben. Deshalb wird bezweifelt, dass die Pyramide durch die Ähnlichkeit mit der pyramidenförmigen Spitze des Obelisken ein (ausschließlich) solares Symbol ist.

Pyramide von Gizeh
Eine der Pyramiden von Gizeh

Es ist auch denkbar und sehr wahrscheinlich, dass sich ihre religiöse Bedeutung im Lauf der Zeit verändert, erweitert oder schlicht konkretisiert hat.

Pyramide als Symbol der Transformation

Wahrscheinlich symbolisiert die Pyramide vermehrt den Weg zur Verklärung und unterstützt energetisch und von der Bauweise her den Umwandlungsprozess der Seele. Die Seele durchläuft quasi unterschiedliche Stufen der Transformation. Das könnte zu den Vorstellungen passen, die dort vom Jenseits festgehalten wurden, durch die Pyramidentexte und den bildlichen Darstellungen.

Zu dieser Deutung passt auch die stufenartige Bauweise der Pyramiden. Vielleicht sollten die Stufen der Pyramide eine Treppe zum Himmel darstellen. Sie erlaubt es dem König emporzusteigen und seinen Rang unter den Göttern (Sonnengott Re, Horus) einzunehmen. So wird die Pyramide zu seinem Haus der Ewigkeit, wo er Unsterblichkeit erlangt.

Pyramiden von Gizeh
Zwei der Pyramiden von Gizeh

Auch auf die geglätteten Pyramiden passt diese Deutung. Denn auch sie sind in ihrem Innern Stufenpyramiden, die mit glatt behauenen Steinen verkleidet wurden. Der Eingang aller Pyramiden wurde sorgfältig versteckt, zum Schutz vor Grabräubern. Pyramiden erbaute man in der Nähe des Nils, da die Alten Ägypter die dazu benötigten Materialien, riesige Steinblöcke, auf dem Wasserweg transportierten.

Haus der Ewigkeit

Im Alten Ägypten wird mit dem Haus der Ewigkeit eine Grabanlage bezeichnet. Es kann sich um eine Grube, Grabschacht, Felsengrab, Mastaba oder auch um eine Pyramide handeln. Ein Steingrab, wie die Pyramide, war ideal, da Stein durch die lange Haltbarkeit Unvergänglichkeit symbolisierte. Doch nicht jeder konnte sich ein Grab aus Stein leisten.

Unabhängig wie monumental das Haus der Ewigkeit ausfiel, war es für den Grabinhaber ein „Ort der Begegnung mit sich selbst„. Auf Grabwänden lässt er sich selbst abbilden und zeigt, welche Lebensstationen er durchlaufen hat. Er möchte ein „vollendetes Leben“ zeichnen und gelebt haben. Es ist also auch ein Vorgriff auf sein späteres Leben im Jenseits. Das Grab hat dadurch eine Funktion des Spiegels, welcher dem Grabeigner später sein Leben, wie er es gelebt hat, zeigt.

Pyramide von Gizeh mit der Sphinx
Pyramide von Gizeh mit der Sphinx

Das Grab soll ein vollendetes Leben darstellen und damit dem Vergessen und der Vergänglichkeit vorbeugen, das Schlimmste was einem Ägypter passieren kann. Denn das Vergessen ist gleichbedeutend mit seinem endgültigen Tod. Nur durch ein moralisch einwandfreies Leben darf der Grabinhaber darauf hoffen, im Jenseits seinem Ka zu begegnen, eine Art Doppelgänger im Jenseits. Denn, wenn der Mensch stirbt und sich im Totengericht rechtfertigen konnte, lebt sein Ka weiter.

Absteigen

Der Ägypter gibt seiner Behausung zu Lebzeiten einen sehr geringen Wert. Er nennt sie „Absteigen“, da er nur sehr kurz in ihnen wohnt. Die Zeit nach seinem Tod ist ihm sehr viel wichtiger. Denn man soll sich ewig an ihn erinnern, an sein tugendhaftes Leben. Das Jenseits dauert sehr viel länger, nämlich unendlich lange, als die kurze Lebensspanne im Diesseits. So dürfte es nicht verwundern, dass sich der Alte Ägypter kaum Mühe beim Bau und der Ausrüstung seines Wohnhauses gab. Er errichtete es meist aus Lehm, einem sehr günstigen Baumaterial.

Kaum ein Aufwand jedoch war ihm zu hoch, um Gräber zu bauen, zum Beispiel Pyramiden. Sie sollten Bestand haben und entweder aus Stein beschaffen oder in Fels gehauen sein, beides Materialien mit sehr langer Lebensdauer. Keine Mühen und Kosten waren ihm zu hoch, um ein Haus der Ewigkeit zu bauen. Es war sein wichtigstes Projekt zu Lebzeiten.

Pyramidenamulette

Amulette in Form von Pyramiden sind Symbol für die geistige Vollendung und Vitalisierung.

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Quellen

  • Owusu, Heike (1998), „Symbole Ägyptens“, Schirner Verlag, Darmstadt, Seite 19 f. (Pyramide).
  • Bonnet, Hans (2000), „Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte“, 3. unveränderte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hamburg, Seite 442 bis 444 (Mastaba) und Seite 619 f. (Pyramide).
  • Wikipedia (zuletzt aktualisiert: 2021, 14 November), „Pyramide (Bauwerk)“ (Stand: 17.12.21).
  • Wikipedia (zuletzt aktualisiert: 2021, 10. Dezember), „Haus der Ewigkeit (Altes Ägypten)“ (Stand: 18.12.21).
  • Wikipedia (zuletzt aktualisiert: 2021, 15. Mai), „Stufenpyramide“ (Stand: 10.02.22).