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Horus – ägyptischer Falkengott

Horus ist ein ägyptischer Falkengott. Obwohl er zu den Ortsgöttern gehört, wurde er in ganz Ägypten verehrt. Es gibt keinen anderen Gott, der solch einen verbreiteten Kult genoss.

Verwirrungen, die sich aufgrund von verschiedenen Wesensbeschreibungen oder Namenskombinationen ergeben, liegen daran, dass er mit vielen, kleineren und unbedeutenderen Ortsgöttern verschmolz. Einige Götter haben also den Beinamen des Horus nachträglich erhalten.

Horus als Sohn von Isis

Horus hat zwei sehr berühmte Eltern. Sein Vater ist Osiris, seine Mutter Isis. Er wird Nachfolger von Osiris und letztlich Herr über ganz Ägypten. Besonders als Sohn von Isis erweitert er seinen Machtbereich enorm, aber erst als er erwachsen ist.

Darstellung: Falkengott Horus

Falkengott Horus
Horus als Falkengott und dahinter im Relief mit menschlichem Körper.

Als ägyptischer Falkengott wird Horus entweder als Falke oder als menschliche Figur mit Falkenkopf abgebildet. Der Falke ist nicht nur ein zielstrebiger und schneller Jäger, sondern scharfäugig und angriffslustig. Er ist ein guter Kämpfer.

Das Tier des Falken machte es den verschiedenen Kulten noch einfacher, Horus zu integrieren. Es gab einige, weniger bekannte Lokal-Gottheiten, welche ebenfalls den Falken für sich beanspruchten. Sie konnten entsprechend leicht mit Horus identifiziert werden.

Gott der himmlischen Höhen

Neben seiner Funktion als Ortsgott ist Horus Weltgott. Er umspannt mit seinen ausgebreiteten Flügeln die Welt und ist im Himmel beheimatet. Man nennt ihn daher auch „Horus des Himmels“.

Mit dem Falken als Tier gewann Horus stark an Einflusskraft, denn die Weite und Höhe des Himmels legten eine kosmische Komponente seines Wesens nahe. So wird manchmal der Himmel als sich ausbreitendes Flügelpaar beschrieben.

Der Name des Horus bedeutet der „Hohe“ oder der „Ferne“. Sein mächtigstes Symbol ist die geflügelte Sonne, Behedeti, der Horus von Edfu. Hier rückt er in die Nähe des Re, als dessen Vater, bzw. lieber noch Sohn er „Re-Behedeti“ genannt wurde.

Sowohl die Sonne als auch der Mond sind seine Augen. So wird er zum Lichtgott, denn er erleuchtet die Welt nicht nur am Tage, sondern auch nachts.

Horus mit Falkenkopf und Doppelkrone
Horus mit Falkenkopf und der Krone von Ober- und Unterägypten.

Gegenspieler: Himmel und Erde

Damit kommen wir zu Seth, der, als Gegensatz zum Himmel, mit der Erde verbunden wird. Mit der Erde ist er das Dunkel, welche die Lichter umschließt. Durch die Erde wird er mit sämtlichen Unwettern identifiziert, denn „die Unwetter kommen aus der Erde“.

Das Dunkel der Erde steht im Gegensatz zum Licht des Horus. Dieser Gegensatz verschafft sich durch mehrere Kämpfe Ausdruck. In einem davon verliert Horus sein Mondauge und Seth seine Hoden, welche beiden aber von Thot, dem Ordner, zurückgegeben werden.

Der Ausgang des Mythos ist keine kämpferische Niederlage der Rivalen. Es wird Recht gesprochen, allerdings gegen Seth. Horus behält sein Primat.

Horus – Gott der Könige

Während das Ausland als das Reich des Seth, also des Chaos galt, war die Welt und Schöpfung Ägypten selbst. Horus wurde als Königsgott verehrt, d. h. er verkörperte die weltliche Ordnung.

Demzufolge setzten sich die Könige den Titel „Horus“ vor ihren Namen. Horus teilt sich quasi durch den jeweils herrschenden König mit. In dieser Offenbarungsfunktion nannte man ihn deshalb „den Horus der Lebenden.“ Darauf gründete sich die Herrschaft des Königs.

Seth ist der Gegenspieler von Horus, der dessen Anspruch auf die Herrschaft streitig macht. Horus behält letztlich die Oberhand, nicht weil er in Kämpfen gewinnt, sondern weil ihm Recht zugesprochen wird. Seth wird im Kampf nicht vernichtet.

Freude des Falken am Kampf

Horus und Seth
Horus sitzt auf der Sonnenbarke und blickt auf Seth (Figur links)

Ihn als Kriegsgott zu bezeichnen, ginge mit Sicherheit zu weit, auch, wenn er hie und da als Kriegsgott dargestellt wird. Denn neben Seth, seinem Widersacher, hat Horus mächtige Feinde, die er besiegen muss, um seine Welt zu befrieden. Es gibt also neben der bestehenden Ordnung und Rechtsprechung auch einen kämpferischen Wesenszug von Horus.

Seine Gegner treten gerne in Gestalt von Nilpferden und Krokodilen in Erscheinung. Das sind zwei Beispiele für typhonische Tiere. Horus tritt gegen sie gerne mit seiner bevorzugten Waffe, der Harpune, dem sogenannten Horusspeer an. Der Falke, das Tier des Horus, symbolisiert die Freude am Jagen und Kämpfen. Der Falke ist ein hervorragender Jäger und diente den Alten Ägyptern als Vorbild.

Horus – Gott der Ordnung

Horus steht für Recht und Ordnung. Seth dagegen symbolisiert das Chaos bzw. Kraft und Gewalt. Gewalt und Chaos haben sich dem Recht unterzuordnen, ansonsten die Welt, d. h. Ägypten, dem Untergang geweiht wäre.

Eine andere Interpretation will den wiederkehrenden Kampf zwischen Horus und Seth, der auf einen Führungsanspruch zielt, auf der Ebene verschiedener Kulte deuten, die miteinander im Wettstreit lagen.

Auch ein politisches Moment ist in diesem Wettstreit enthalten, aber vermutlich nicht ausschlaggebend. Der Sieg bestand darin, dass sich Seth mit Horus versöhnte und sich beide daher in der Königssymbolik vereinten. Seth wurde, wenn auch an zweiter Stelle, neben Horus anerkannt.

In einem früheren Mythos wurde Ägypten durch einen Rechtsspruch aufgeteilt: Seth erhielt Oberägypten, während Horus als ägyptischer Falkengott über Unterägypten herrschte. Diese Aufteilung hatte jedoch keinen Bestand. Das erzählt uns der Mythos von Horus und Seth.

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Quellen

  • Beitragsfoto „Horus mit der Krone Oberägyptens“ von Harald Schmidt.
  • Falkengott Horus, Adobe Stock.
  • Relief: Horus mit Falkenkopf und der Doppelkrone, Pixabay.
  • Malerei: Horus auf der Sonnenbarke, Adobe Stock.

2 Gedanken zu „Horus – ägyptischer Falkengott“

    • Ja, das stimmt. Ich habe noch einen Artikel verfasst, der von Horus als Sohn von Isis handelt. Er ist oben im Text verlinkt. Ansonsten, falls dennoch etwas fehlen sollte, ergänze ich gerne, will nur gerne wissen, welcher Aspekt von ihm fehlt.

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