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Amulette im Alten Ägypten

Die Amulette im Alten Ägypten sind Schutzsymbole. Es gibt zwar verschiedene ägyptische Bezeichnungen für Amulette, doch ihre gemeinsame Grundbedeutung ist „Schutz“.

Amulette als Schutz des Trägers

Amulette im Alten Ägypten: Material Lapislazuli
Der blaue Lapislazuli wird im Alten Ägypten der Himmelsgöttin Nut zugeordnet. Er hat daher eine schützende Funktion.

Amulette im Alten Ägypten schützen in erster Linie ihren Träger vor allen möglichen negativen und unheilvollen Einflüssen. Doch sie statten ihn auch mit besonderen Kräften und Segnungen aus. Daher zählen Amulette zu den magischen Gegenständen, die ihre Kräfte zugunsten des Trägers einsetzen.

Woher bekommt das Amulett diese besonderen Kräfte? Drei Voraussetzungen gibt es, damit das Amulett seine Kraft entfalten kann:

Ankh
Das Anch wird in Amuletten oft mit anderen Symbolen kombiniert. Es tritt im Alten Ägypten selten für sich alleine auf.
  • Seine Form und Symbolik ist entscheidend für seine Wirkung. Beispiele sind das Horusauge (Udjat-Auge) oder das Anch.
  • Es wirkt durch das Material, aus dem es hergestellt worden ist. Es gibt zum Beispiel Materialien, die mit ganz besonderen magischen Kräften ausgestattet sind, zum Beispiel der Lapislazuli oder grünes Silber (steht für Gesundheit und Reichtum). Die Art des Materials wird also mit einer bestimmten Form verknüpft, damit das Amulett seine Kräfte wirkungsvoll entfalten kann.
  • Es wird mit einer magischen Formel aufgeladen. Man hat also die Wahl, mit welcher Kraft man das Amulett ausstatten will. Im Totenbuch der Ägypter gibt es viele Sprüche, die sich für das Aufladen eines Amuletts eignen. Es handelt sich um Zaubersprüche, die auch unabhängig von Amuletten verwendet werden können.

Amulette und ihre Wirkung im Alten Ägypten

Welche besonderen Wirkungen man von den Amuletten im Alten Ägypten erwartete, ist schwer zu sagen. Vermutlich hatten sie keine scharf abgegrenzte Funktion. Der alte Ägypter versuchte den Kraftbereich des Amuletts auszudehnen, damit es ihn vor unbestimmten Gefahren, die ja von vornherein nicht alle bekannt sein können, zu schützen. So wurde es vermutlich als allgemeines Zeichen des Glücks und Schutzes getragen.

Stärker spezialisiert waren hingegen die Amulette im Alten Ägypten, die man den Toten mit in das Grab legte. Im Totenreich gab es ganz bestimmte Gefahren, vor welchen man den Toten schützen wollte. Doch so streng darf man die Amulette, die von Lebenden getragen wurden, nicht von jenen, die von den Toten getragen wurden, trennen. Denn die Abnutzung von Amuletten lässt vermuten, dass der Tote sie schon zu Lebzeiten trug. Erst später wurden Amulette extra für den Toten gefertigt (ab dem Mittleren Reich wächst ihre Anzahl sehr stark an).

Formen und Gruppen von Amuletten

Hört man den Begriff „Amulett“, denkt man schnell an eine Kette mit einem mehr oder weniger auffälligen Kettenanhänger. Solche Amulette waren im Alten Ägypten üblich. Doch auch die Herzskarabäen, die man neben dem Herz des Toten fand (oder anstelle des Herzens), waren Amulette. Amulette sind also alle Schmuckstücke, die der lebende oder tote Ägypter am Körper trug.

Skarabäen
Skarabäen symbolisieren den Gott Chepre.

Zum Beispiel gab es auch Fingerringe mit Schmuckplatten, wo Amulette oder Bilder von Amuletten eingefügt werden konnten. Auch durch Körperbemalungen und Tätowierungen konnten die dargestellten Amulette ihre Kraft entfalten.

Die Amulette lassen sich in 8 verschiedene Gruppen unterteilen:

1. Natürliche Gegenstände

Es handelt sich zum Beispiel um Tierknochen, Zähne, Krallen von Raubtieren, die man in Beuteln mit sich trug. Auch aus Muscheln, Perlen und Kernen wurden Kettenglieder hergestellt. Solche Amulette wurden auch als Fußbänder getragen. Durch das Aufladen der Ketten durch magische Formeln konnte so ziemlich alles zu Amuletten werden.

2. Knotenamulette

Sie dienen zur Abwehr böser Einflüsse und sollen z. B. verhindern, dass sich ein Gift im Körper weiter ausbreitet. Knoten symbolisieren aber auch eine (bestimmte) Verbindung, z. B. bei Liebeszaubern. Ein Beispiel eines magischen Knotens ist das Isisblut (auch Isisknoten), das als Gürtelschleife ein Gewand zusammenhält. Ein anderes Beispiel ist das Anch.

3. Figuren von Dämonen und Göttern

Die Figuren von Dämonen oder Göttern sollten den Träger schützen. Sehr bekannt sind die kleinen Bes-Figuren und Nilpferdfiguren (Toeris).

4. Tierfiguren

Zu den Götterfiguren gehören auch Tierfiguren. Häufig findet man Bilder von Raubvögeln und Skorpionen. Es handelt sich aber nicht immer um Göttertiere. Man trägt Amulette in Tierform, um bestimmte Eigenschaften des Tieres zu erhalten, zum Beispiel die Kraft des Löwen oder die Angriffslust der Fliege.

5. Menschliche Körperteile

Ein sehr bekanntes Beispiel ist das Auge von Horus (Udjat-Auge), ein Schutzsymbol. Das Gleiche gilt für Hände: rechte oder linke Hand, geballt oder geöffnet. Die Hand nimmt manchmal eine Schutzgeste ein. Sie erinnert an jene Geste, die Hirten einnehmen, wenn sie das Wasser überqueren und Krokodile bannen wollen. Es gibt auch Amulette in Fuß- oder Beinform, die an den Füßen getragen wurden, vermutlich zum Schutz der Füße und Beine. Phallische Amulette sollen die Manneskraft erhalten und Herzamulette als Ersatz für das Herz dienen.

6. Symbole des Alten Ägypten

Diese Gruppe von Amuletten ist uns vertraut. Es handelt sich zum Beispiel um den Djed-Pfeiler (Zeichen der Dauer), die Lebensschleife (Anch) oder der Isisknoten. Sie wirken Kraft ihrer Symbolik.

7. Kronen- und Herrschaftszeichen

Die Machtzeichen der Könige gehören vermehrt in die Ausstattung des Toten, zum Beispiel die Uräusschlange, Königszepter und Königskrone. Sie werden auch auf Särgen bildlich dargestellt und haben dort die gleiche Bedeutung und Wirkung.

Herrscherzeichen
Zu den Machtzeichen der Pharaonen (hier Tutanchamon) gehören die Zepter: Geißel und Krummstab. Aus dem Dritten Auge seiner Krone kommt die Uräusschlange hervor.

8. Grabbeigaben und Amulettbilder

In der letzten Gruppe gibt es eine große Anzahl von Amuletten, die auf den ersten Blick wie Scheinbeigaben wirken. Doch diese Beigaben haben ihren Sinn. Denn sie sollten nicht die Originale ersetzen, sondern aus sich heraus wirken. Kopfstützen sollen zum Beispiel dem Erhalt des Kopfes dienen. Kleine Treppen sollen vermutlich den Weg zum Urhügel erleichtern und zu neuem Leben verhelfen. Kleine Setzwaagen sollen bei der Rechtfertigung vor dem Totengericht helfen.

Zum Teil gibt man auch Bilder von Amuletten in das Grab. Sie wurden auf dünne Goldplättchen eingeritzt. Manchmal hat man auf den Papyri Listen von Amuletten aufgeschrieben, die dem Toten mitgegeben werden. Amulettbilder spielen also eine wichtige Rolle, denn sie tragen die Kraft des Originales in sich. Sie sollen keinen billigen Ersatz darstellen, sondern ganz im Gegenteil. Die Zeichnungen eröffnen sogar mehr Möglichkeiten, indem Amulette miteinander zu sinnvollen Gruppen verbunden werden. Der Tote muss nur den Papyrus verschlucken, um über die Kräfte der gemalten und kombinierten Amulette zu verfügen.

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Quellen

  • Helck, Wolfgang und Otto, Eberhard (1999), „Kleines Lexikon der Ägyptologie“, 4. Auflage, MZ-Verlagsdruckerei GmbH, Memmingen, Seite 31 (Amulett).
  • Bonnet, Hans (2000), „Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte“, 3. unveränderte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hambur, Seite 26 bis 31 (Amulett).