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Das Grab im Alten Ägypten

Das Grab ist im Alten Ägypten viel mehr als nur der Aufbewahrungsort einer Leiche oder die Ruhestätte des Toten. Es ist die Wohnstätte des Toten und ein Ort, der die materielle Grundlage des Toten sichert.

Grab als Wohnort und Treffpunkt

Grab im Alten Ägypten

Das Grab mit seinen Grabbeigaben ist eine materielle Sicherung für den Toten, damit er weiterleben kann. Dort empfängt der Tote auch die Gebete und Opfer der Nachwelt. Insofern könnte man das Grab im Alten Ägypten auch als Treffpunkt bzw. Begegnungsstätte mit den Lebenden bezeichnen.

Dadurch wird das Grab im Alten Ägypten zu einer Wohnstätte des Toten, zum Symbol einer „ewigen Wohnung“ oder zu einem „schönen Haus der Ewigkeit“. In diesen Wohnstätten fand man sogar Toiletten. Manchmal sieht das Grab aus wie ein Haus mit Dach (Mastaba). Selbst kleine Gärten mit Teich legte man an, damit der Tote am Ufer spazieren gehen kann. Felsengräber und Pyramiden gehören zu den Gräbern, die sich nur hochgestellte Persönlichkeiten leisten konnten, zum Beispiel der Pharao.

Allerdings ändert sich im Laufe der Zeit die Vorstellung darüber, wo sich der Tote aufhält bzw. wo der Tote wohnt. Denn letztlich will der Tote nicht an sein Grab gebunden sein, sondern in den Himmel bzw. mit den Göttern leben. So wird das Grab nur sein gelegentlicher Aufenthaltsort sein.

Grab als Duat

Totentempel Ramses III.
Totentempel Ramses III. im altägyptischen Ort Tahut, heute Medînet Hâbu.

Duat bzw. Dat (= das Land im Jenseits) galt seit dem Neuen Reich immer mehr als die Stätte der Toten. So setzte man das Grab mit Duat gleich. Die Wände der Gräber wurden vermehrt mit Texten aus der Totenliteratur beschriftet und bemalt. Das Grab spiegelt so die Welt des Jenseits wider.

Beide Bedeutungen, das Grab als Wohnort und das Grab als Duat werden mit dem Leben des Toten im Jenseits in Beziehung gesetzt.

Grab als Denkmal

Bilder, die das Grab im Alten Ägypten schmücken, handeln von dem Leben des Toten. Man sorgte also dafür, dass sich die Nachwelt an die Taten des Toten erinnert. Später wurden diese Erinnerungsbilder immer zahlreicher – sie konnten sogar einen Grabraum ausfüllen, der wie eine Gedenkhalle aussah. Durch die Kraft und Inschriften der Bilder, die ja die guten Taten des Verstorbenen zeigten, wird dem Toten zur „Dauer“ verholfen.

Grab und Kultraum

Im Grab befindet sich auch der Kultraum. Manchmal besteht er nur aus einer kleinen Nische mit einer Opferplatte, von der sich der Tote nährt. Doch im Laufe der Zeit wird der Kultraum wichtiger und entsprechend gestaltet. Bei Privatleuten gehörten das Grab und der Kultraum zusammen.

Später, aber nur bei den Gräbern der Könige, wurde der Kultraum vom Grab getrennt, da man das Grab geheim halten wollte. Man wollte den Leichnam und das Grab vor Räubern und Zerstörung schützen. Ein König ließ sich ein prächtiges Grab bauen (Pyramide), doch sein Leichnam wurde an einer versteckten Stelle beigesetzt. Man verlegte den Kult auch in einen Tempel, der vom Grab getrennt war, um den Ort der Leiche geheimzuhalten.

Sargkammer im Grab

Grab im Alten Ägypten: Sarkophag
Sarkrophag in einer Sargkammer.

Lange Zeit war die Sargkammer im Grab schmucklos. Erst ab der 5. Dynastie wurde sie reichlicher geschmückt mit Texten aus der Totenliteratur. Vor allem die Himmelsgöttin Nut kommt zur Sprache und wird an der Decke bildlich dargestellt. Die Sargkammer wird selbst zu einem Abbild des Himmels. Denn der Tote sehnt sich nach dem Himmel, wo er leben will.

Ab dem Neuen Reich befindet sich an jeder der vier Wände in der Sargkammer ein magischer Schutz, der den Toten umgibt. Dazu stellte man Ziegel auf, die mit dem Schutzsymbol beschrieben wurden:

  • Westwand: ein Ded bzw. Djet-Pfeiler,
  • Ostwand: ein Schakal,
  • Nordwand: eine Statuette in Form eines Uschebtis,
  • Südwand: eine Fackel (für Feuer)

Ein weiterer Schutz des Grabes sind Flüche, die gegen die Grabschänder wirken sollen, begleitet von Sprüchen, in welchen der Tote versichert, dass er nichts aus dem Grab geraubt hat. Er hat sich auch nicht das Grab von jemand anderen angeeignet.

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Quellen

Bonnet, Hans (2000), „Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte“, 3. unveränderte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hamburg, Seite 257 bis 260 (Grab).