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Räuchern im Alten Ägypten

Das Räuchern mit Weihrauch im Alten Ägypten dient der Reinigung und Belebung. Die Reinigung geht weit über eine körperliche Reinigung hinaus. Sie vertreibt böse Dämonen und dunkle Mächte. Durch den Wohlgeruch des Räucherns offenbaren sich die Götter.

Räuchern – Reinigung im Alten Ägypten

Räucherungen werden meist im Zusammenhang mit anderen kultischen Handlungen durchgeführt. Man verbindet sie oft mit der reinigenden Kraft des Wassers. Denn wie das Wasser den Schmutz wegspült, vertreiben die unterschiedlichen Weihraucharten unangenehme Gerüche und ersetzen sie durch Wohlgerüche.

Räuchern vertreibt Dämonen
Weihrauch vertreibt dämonische Mächte.

Beide, Wasser und Weihrauch, haben reinigende Wirkung, die über das Körperliche weit hinausreichen. Beide vertreiben das Böse und befreien von dämonischen Mächten.

Deshalb wurden nicht nur Tempelräume, sondern auch Städte gereinigt. Man gewinnt den Eindruck, dass im Alten Ägypten sehr viel geräuchert wurde. Es gibt viele und große Räucherbecken, die den Eindruck vermitteln, permanent in Betrieb gewesen zu sein.

Die Reinigung mit Wasser und die Reinigung mit Feuer (Weihrauch) werden auch heute noch praktiziert als kultische oder religiöse Handlungen. Zum Beispiel wird in der katholischen Kirche kurz vor bzw. während des Sakraments Weihrauch verbrannt.

Räuchern – belebende Kraft im Alten Ägypten

Im Alten Ägypten löst das Räuchern von Weihrauch Kräfte aus, die beleben. Der aufsteigende Rauch umhüllt den Gegenstand, zum Beispiel eine Statue. Die Rauchschwaden teilen sich beim Berühren der Statue und scheinen sie wie feine Arme zu umkreisen und zu umfangen.

Das beobachtet und empfindet der Alte Ägypter als eine Gestik der Belebung, gleich dem Ka, der seinen Schützling ebenfalls mit seinen Armen umfängt: „Ein Arm deines Ka ist vor dir, ein Arm deines Ka ist hinter dir, ein Fuß deines Ka ist vor dir, ein Fuß deines Ka ist hinter dir.“ 1

Weihrauch als Wohlgeruch der Götter

Weihrauchharz
Weihrauchharz – Tränen und Duft der Götter

Im Duft des geräucherten Weihrauchs offenbart sich die Gottheit. Eine Legende besagt, dass es sich beim Wohlgeruch um Gottesschweiß handelt, der wie Tau auf die Erde fiel. Der Schweiß des Gottes ist der Träger des Duftes und Wohlgeruchs. So ist der Weihrauch schon fast ein Synonym für den Gottesduft.

Unabhängig, um welche Sorte Weihrauch es sich handelt, könnte man das Weihrauchharz tatsächlich als getrocknete Schweiß (oder Tränen) eines Gottes deuten. Die kleinen Harzkugeln sind Licht durchscheinend, sofern sie nicht eingefärbt wurden und wirken fast wie getrocknete, unregelmäßige Tropfen.

Aber auch andere Ausscheidungen duften, nicht nur der Schweiß oder die Tränen der Götter. Mancher Weihrauch kommt aus den Gliedern von Horus oder aus dem Rücken von Osiris. Mit dieser Konkretisierung will man den Weihrauch ganz bestimmten Göttern zuordnen.

Trotz allen Zuordnungsversuchen bleibt der Weihrauch eine göttliche Emanation. Auch die Götter erfreuen sich am Duft und atmen ihn genüsslich wie einen festlichen Duft ein.

Das Räuchern im Totenkult

Räuchern im Alten Ägypten
Der Weihrauch steigt empor zu den Göttern.

Durch den Duft des Weihrauchs wird der Tote wieder lebendig. Denn, wo „Gottestau an dem Fleisch ist, da lebt das Fleisch und die Gefäße sind stark.“ 2

Der Weihrauch umspielt und umarmt nicht nur den Toten, er zieht ihn mit sich in den Himmel hoch zu den Göttern. Der Weihrauch bahnt somit einen Weg zu den Göttern.

Allerdings ist das Räuchern mit dem Weihrauch als Symbol für Reinigung und Belebung im Alten Ägypten sehr viel bedeutender, als seine Wirkung im Totenkult.

Kyphi – Räucherung im Alten Ägypten

Kyphi ist eine ägyptische Weihrauchmischung. Nach einem römischen Arzt wurde in Heliopolis jeden Abend bei Sonnenuntergang der Opferweihrauch Kyphi verbrannt. Damit wurde der Sonnengott Re verehrt. Plutarch berichtet, dass in den Tempeln dreimal täglich geräuchert wurde. Morgens mit Weihrauch, mittags mit Myrrhe und abends mit Kyphi.

Kyphi konnte man auch für Parfüms verwenden, als Mittel für Einreibungen und als Heiltrank. Wie man Kyphi herstellt, ist ziemlich genau überliefert.

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Quellen und Einzelnachweise

1 Bonnet, Hans (2000), „Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte“, 3. unveränderte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hamburg, Seite 625.
2 dto.

  • Bonnet, Hans (2000), „Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte“, 3. unveränderte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hamburg, Seite 624 ff. (Räucherung).
  • Wikipedia (zuletzt aktualisiert: 2021, 7. September) „Kyphi“ (Stand: 27.12.21).