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Priester im Alten Ägypten

Priester gehörten im Alten Ägypten zu einer privilegierten Schicht. Der allgemeinste ägyptische Ausdruck für Priester lautet Web (auch Wab, Uab, Ueb), was „Reiner“ bedeutet. Priesteranwärter mussten nachweisen, dass sie der Schicht der Reinen angehören.

Laienpriester im Alten Ägypten

Ursprünglich konnte im Alten Ägypten wohl jeder das Amt eines Priesters übernehmen. Besondere magische oder charismatische Fähigkeiten brauchte man nicht. Man musste nur ein Web, d. h. ein Reiner sein. Diese Reinheit konnte man leicht erreichen, durch den (äußerlichen) Kult der Reinigung.

Doch recht früh wurde der Kreis der Reinen beschränkt. Man brauchte ein gewisses Maß an Bildung und Wissen. Daher wurden weite Kreise des Volkes ausgeschlossen. Es kam zu einer Tendenz der Erblichkeit. Man brüstete sich zum Beispiel damit, der Sohn eines Web zu sein, also der richtigen Schicht anzugehören. Doch mit Sicherheit konnte auch der König jemanden, der nicht rein war, reinigen und damit für die Priesterschaft legitimieren. Das wiederum wurde von den Web bestimmt nicht gerne gesehen.

Priester in einer anbetenden Geste.
Priester in einer anbetenden Geste.

Aus der Schicht der Laienpriester ging das beamtete Priestertum hervor. Denn es gab Dienste, die nicht mehr nebenbei absolviert werden konnten. Mit der wachsenden Anzahl von Tempeln wuchsen auch Verwaltungstätigkeiten. Man brauchte daher Priester, die durchgehende Dienste verrichteten und dafür auch bezahlt wurden. Je mehr das Berufspriestertum wuchs, desto schwächer wurde das Laienpriestertum, wenn es auch nie ganz verschwand. Die Schicht der „Reinen“ blieb bestehen. Angehörige dieser Schicht konnten jederzeit in den Priesterdienst berufen werden.

Die Priesterschaft setzte sich im Alten Ägypten also aus Laienpriester (nebenberuflich) und berufliche (beamtete) Priester zusammen.

Priesterschaft: Zugehörigkeit durch Abstammung

Um festzustellen, ob ein Priesteranwärter der richtigen Schicht angehört, um Priester werden zu können, musste er seine Abstammung nachweisen. Das geschah in der griechisch-römischen Zeit durch eine Art Abstammungsurkunde, welche die Gaubehörde ausstellte.

Man weiß nicht, wie die Abstammung in den früheren Zeiten geprüft wurde. Doch man legte großen Wert darauf. Denn sehr oft wird in Verbindung mit kultischen Handlungen des Priesters auf seine priesterliche Abstammung hingewiesen, welche ihn vor der Gottheit legitimierte.

Doch die Abstammung war nur eine von mehreren Bedingungen.

Priester: Reinheit und Makellosigkeit

Die Priester im Alten Ägypten räucherten in Feuerschalen.
Räuchern bedeutet im Alten Ägypten Reinigen.

Die notwendige Reinheit, die ein Priester benötigte, geht sehr viel weiter und wurde im Alten Ägypten streng überprüft. Die Makellosigkeit des Priesteranwärters musste festgestellt werden. Über einige Kriterien wissen wir Bescheid, wenn auch nicht über alle. Mit großer Sicherheit wurde sein Wissen geprüft, das notwendig war, um die priesterlichen Aufgaben durchführen zu können.

Zur Reinheit gehörte auch die Beschneidung und Kopfrasur. Vermutlich waren die männlichen Priesteranwärter noch unbeschnitten. Denn sie traten der Priesterschaft oft im Jugendalter (Pubertät) bei. Wahrscheinlich wurde die Beschneidung kurz vor der Priesterweihe vollzogen, welche aus Reinigungszeremonien bestand. Der Höhepunkt war wohl der Einlass in das Allerheiligste. Denn es bedeutete, dass man sich dem Gott vorstellte.

Letztlich entschied der Oberpriester, ob ein Priesteranwärter zugelassen wurde.

Der religiöse Kult ist ein Staatskult

Der religiöse Kult im Alten Ägypten war immer Staatskult. Da der König bzw. der Pharao den Staat vertrat, war er auch für die (höheren) priesterlichen Aufgaben zuständig. Denn der Pharao in seiner Funktion als Herrscher war von den Göttern legitimiert und hatte demzufolge auch den Gottesdienst zu leisten. So war der König (Pharao) der oberste Priester im Alten Ägypten.

Aufgaben der Priester im Alten Ägypten

Pharao Tutanchamun ist auch oberste Priester im Alten Ägypten gewesen.
Pharao (König) Tutanchamun

Der König konnte nicht alle Aufgaben eines Priesters übernehmen. Denn Ägypten war viel zu groß und die Zeit des Königs zu knapp. Deshalb gab es Priester, welche die Aufgaben stellvertretend für den König ausübten. Sie glichen damit den Beamten, nur, dass sie die religiösen Aufgaben anstatt die weltlichen übernahmen. „Der König ist es, der mich sendet, den Gott zu schauen.“ 1 So lautet der Spruch eines Priesters, der zu einem Kultbild ging, um seinen Dienst zu absolvieren.

Priester verrichteten ansonsten eher niedrigere Hilfsarbeiten, vergleichbar mit den Aufgaben eines Ministranten. Die eigentlichen priesterlichen Aufgaben übernahmen sie im Namen des Königs (Pharao), als dessen Stellvertreter. Das ist allerdings eine etwas neuere Entwicklung im Alten Ägypten. Es gab nämlich auch eine entgegengesetzte Strömung, wo die Priesterschaft Einfluss auf den Staat ausüben wollte und Einfluss auf ihre eigene Zusammensetzung. Diese Strömung kam nie zum Erliegen.

Durch das Ausüben des religiösen Kults, zum Beispiel durch Opfer, Menschenopfer, Weihungen, Reinigungen, Gebet, Räucherungen etc. sollte die Gottheit befriedigt und gnädig gestimmt werden. Das klingt nach einem Deal und das war es auch: „Tue dem Gott Gutes, damit er dir Gleiches tue“. 2

Durch den richtig ausgeführten Kult wurden höhere Wirkungen angestrebt. Die Wirkungen wurden nicht durch einen rein magischen Akt erzeugt, sondern waren in den Kultobjekten enthalten:

  • Der Weihrauch ist der Duft des Gottes.
  • Das Wasser ist der göttliche Ausfluss.

Sie mussten nur auf die richtige Art und Weise hervorgelockt werden. Das war die Aufgabe der Priester im Alten Ägypten.

Organisation der Priester – Phylen

Es gab vier Abteilungen, in welche die Priester eines Tempels eingegliedert wurden. Die Griechen nannten sie Phylen, bei den Alten Ägyptern hießen sie „Wachen“ (Sa). Die Phylen wechselten sich ab, genauso wie einander ablösende Wachen. Eine Phyle bzw. Abteilung übernahm den Tempeldienst für einen Monat und gab ihn dann an die nächste Phyle weiter.

Dieser Dienstplan dürfte einem Laienpriester sehr entgegengekommen sein, denn sein priesterlicher Dienst war neben- und nicht hauptberuflich. Dennoch behielt man diesen Wechsel des Dienstes zu allen Zeiten bei. Man hat ihre Zahl sogar gesteigert. Statt vier Phylen gab es unter Ptolemäus III. fünf Phylen. Demgemäß gibt es sogar eine Bezeichnung „Monatspriester“ – selbst später bei den hauptberuflichen Priestern.

Doch die Phylen veränderten ihren Charakter. Sie wurden nicht mehr (nur) zeitlich, sondern (auch) erblich verstanden. Man wurde in eine Phyle hineingeboren und konnte dadurch das erste Kriterium, seine Abstammung als Priesteranwärter, vorweisen.

Priesterklassen im Alten Ägypten

ägyptische Skulptur

Innerhalb des Priesterstandes gab es zwei Priesterklassen:

  • Die obere Priesterklasse nannten die Griechen „Propheten“ und die Ägypter „Gottesdiener“.
  • Die niedrigere Priesterklasse wurde Uab (Ueb,Web oder Wab = Reiner) genannt, eine allgemeine Bezeichnung für Priester.

Zwischen beiden gibt es den Rang der „Gottesväter“. Die Gottesväter scheinen zu der Klasse der Propheten zu gehören bzw. ihnen vorzustehen. Man ist sich über ihre Bedeutung nicht ganz im Klaren. Vielleicht waren sie mit besonderen „göttlichen“ Kräften ausgestattet.

Vorlesepriester im Alten Ägypten

Neben den Propheten, Gottesväter und Uab wurden in den ägyptischen Texten auch die Vorlesepriester erwähnt (altägyptisch: Cheri-hebet oder Cheri-habet). Sie wurden vermutlich als eine sehr wichtige Priestergruppierung den Uab zugeordnet. Vorlesepriester waren im Totenkult unerlässlich. Sie sangen und sprachen die kultischen Formeln, Gebete und Litaneien bei Begräbniszeremonien. Doch sie taten noch mehr. Sie schienen das Ritual vollständig zu kennen und zu leiten. Sie achteten darauf, dass alles korrekt ablief. Der Vorlesepriester trug eine Schärpe quer über seine Brust.

Sem-Priester im Alten Ägypten

Der Priestertitel „Sem-Priester“ bezeichnet zwei Funktionen:

  1. Seit der 19. Dynastie war jemand Sem-Priester, der vom König eingesetzt wurde, um Hilfsdienste bei Festlichkeiten zu übernehmen. Zum Beispiel übernahm ein Sem-Priester, anstelle des Königs, Weihungen und Opfer. Ein Sem-Priester konnte aber auch für die Leitung und Ausstattung von Festen verantwortlich sein. Dieser Titel war also zeitlich befristet, zum Beispiel so lange, wie das Fest dauerte. Es war eine Funktion, die mehr an den König geknüpft war, mehr Hof- oder Staatsamt, als ein Gottesdienst.
  2. In seiner zweiten Bedeutung handelte es sich um einen dauerhaften Titel. Der Sem-Priester spielte eine führende Rolle bei der Mundöffnung, die an Statuen und im Totenkult vollzogen wurden. Seine Kleidung bestand immer aus einem Pantherfell.

Weitere Priestertitel im Alten Ägypten

Es gab noch eine Menge von Titeln innerhalb der Priesterschaft, die sich herausbildeten. Ein Beispiel ist „Erster Prophet“ bzw. „Hohepriester“, z. B. der Hohepriester des Amun. Ein Hohepriester leitete die Priesterschaft eines Tempels.

Die priesterlichen Tätigkeitsbereiche und Befugnisse betrafen den gesamten Verwaltungsapparat im Tempelbereich. Zum Beispiel gab es einen „Schatzmeister des Gottes“, „Schreiber des Gotteshauses“, „Vorsteher des Speichers“ 3 usw. Die priesterlichen Tätigkeiten waren also nicht auf das rein geistliche Gebiet beschränkt. Es gab noch viele andere altägyptische Priester- bzw. Beamtentitel im Alten Ägypten.

Priesterin im Alten Ägypten

Musik und Tanz der Priesterinnen.
Priesterinnen erfreuten ihren Gott mit Musik und Tanz.

Auch die Priesterinnen im Alten Ägypten mussten sich durch ihre Abstammung qualifizieren. Sie gehörten von Geburt an den Phylen ihres Vaters an und blieben es auch, wenn sie heirateten. Es gab Priesterinnen in beiden Priesterklassen: Uabpriesterinnen und Prophetinnen. Meistens dienten die Priesterinnen weiblichen Gottheiten, zum Beispiel Hathor oder Neith, manchmal aber auch Thot, Upuaut oder dem König.

Innerhalb des Tempels und des Opferdienstes schienen die Frauen den gleichen Dienst wie die Männer ausgeübt zu haben. Darauf deuten testamentarische Bestimmungen hin, die z. B. den Gottesdienst unter den Söhnen und der Gemahlin gleich aufteilte.

Doch es gab typisch priesterliche Funktionen, die eine Frau im Alten Ägypten wohl besser ausübte. Sie erfreute ihren Gott mit ihrer Musik und ihrem Tanz. Priesterinnen gehörten zum „Harem“ eines Gottes. Ob sie auch die sexuellen Bedürfnisse ihres Gottes befriedigten, wird vermutet.

Je mehr sich das Amt des Priesters zu einem Beruf entwickelte, desto mehr wurde das Laienpriestertum und damit auch die Frauen zurückgedrängt. Doch ihre Bedeutung im Kult war weiterhin hoch. Sängerinnen wurden als Ueb bezeichnet. Wer Musik machen wollte, musste rein sein. So blieb die Musik als ein wesentlicher Teil des Kults primär in der Hand der Priesterinnen.

Neben Musik und Tanz schmückten die Priesterinnen Götterbilder. Sie spielten bei Mysterienspielen und Osirisfesten mit, zum Beispiel in den Rollen der klagenden Isis oder Nephthys.

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Quellen und Einzelnachweise

1 Bonnet, Hans (2000), „Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte“, 3. unveränderte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hamburg, Seite 597.
2 Ebd. Seite 406.
3 Ebd. Seite 605.

  • Bonnet, Hans (2000), „Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte“, 3. unveränderte Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hamburg, Seite 256 (Gottesvater), Seite 413 bis 416 (Laienpriester), Seite 596 bis 608 (Priester, Priesterin), Seite 697 f. (Sempriester), Seite 860 f. (Vorlesepriester).
  • Helck, Wolfgang und Otto, Eberhard (1999), „Kleines Lexikon der Ägyptologie“, 4. Auflage, MZ-Verlagsdruckerei GmbH, Memmingen, Seite 125 (Hohepriester) und Seite 225 f. (Priester(tum), – organisation und Priesterin).