Toeris - ägyptische Nilpferdgöttin

NilpferdeAuffällig am ägyptischen Kult von Toeris, der Nilpferdgöttin, ist, dass sie nicht alleine, sondern oft in Mehrzahl auftritt. Manchmal ist von der Zahl 14 die Rede.

Es gibt aber auch einen Kreis von 12 Nilpferdgöttinnen, die den 12 Monaten des Jahres zugeordnet werden. Für die 5 Zusatztage existieren darüber hinaus 5 weitere Göttinnen. Bei ihnen handelt es sich um Formen der Geburtsgöttin Meschent. Ihr menschliches Haupt unterscheidet sie von den anderen Nilpferdgottheiten.

Toeris - Nilpferdgöttin

Wir haben es also mit einer Wesensklasse von Nilpferdgöttinnen zu tun, was auch ihre Zuordnung zur Klasse der Dämonen vermuten lässt. Es gibt die verschiedensten Sonderformen der Toeris, die vermutlich auch unterschiedliche Schwerpunkte vertraten. Aufgrund des spärlichen Materials kann nur wenig darüber gesagt werden.

Ebenfalls unterschiedlich sind die Namen, mit denen die Nilpferdgöttin angesprochen wird. Toeris ist eine gebräuchliche Form. Er bedeutet "die Große" und wird häufig verwendet. Man vermutet, dass Toeris als eine Art Sammelname bzw. Oberbegriff für die Nilpferdgöttinnen verwendet wurde. Der Name kann bis in das Mittlere Reich zurückverfolgt werden.

Die Namen Reret lässt sich bis in das Neue Reich zurück verfolgen. Reret bedeutet: Sau. Es gibt Abbildungen, wo der Kopf der Nilpferdgöttin an den Kopf einer Sau erinnert. Doch sie sind sehr selten und Reret wird häufiger mit einem Nilpferdkopf abgebildet.

Mutter der Götter

Älter ist die Bezeichnung Ipi. Er wurde bereits im Alten Reich verwendet. Ipi wurde gebeten, den König zu säugen. Später wurde der Name etwas abgeändert in Ipet. Man transkribiert ihn aber auch mit Apet, Epet oder Opet.

Ipet war eine Göttin von Luksor. Sie verkörperte ursprünglich einen Tempel, nämlich das Hochzeitshaus des Amun. Sie wurde zur Gefährtin bzw. Mutter des Amun und dadurch zur Herrscherin der beiden Länder (Oberägypten und Unterägypten). Sie stellt also das weibliche Gegenstück des Amun dar. Damit wurde sie zur Mutter der Götter. Wie alle mütterlichen Urgottheiten setzte man sie mit dem Sonnenauge gleich. Das wiederum hatte zu Folge, dass sie mit Hathor identifiziert wurde. Man fand Abbildungen, wo man sie mit einem Kuhgehörn darstellte, welches die Sonnenscheibe umfasst. Auch ihre Funktion als Schutzgöttin der Toten brachte sie Hathor noch näher.

Ihre Verbindungen gingen noch weiter. Durch ihre Verschmelzung mit Hathor, wurden Verbindungen zur Stadt Heliopolis geschaffen. Man nannte sie "heliopolische Kinderfrau". Diese Kinderfrau wurde mit der Urmutter Nut gleichgesetzt. Hier fließen die Züge Ipets, Hathors und Nuts zusammen, denn die Nilpferdgöttin erweckt im Gewand der Nut den toten Osiris zu neuem Leben. Gerade Nut wurde auch gerne in Form einer Sau dargestellt, welche ihre Jungen säugt. Ihre gemeinsame Symbolik stärkt und stützt sich gegenseitig.

Göttin des Nils

Nilpferdkopf

Zu einem weiteren Charakter der Nilpferdgöttin führt uns Toeris Auftreten am Ort Silsile. Es ist die Rede von "Toeris, die in dem reinen Wasser wohnt". Ihr wird der Beiname "die in Nun ist" gegeben.

Damit wird sie zu einer Göttin, die den Nil über die Ufer treten lässt. Als Göttin des Nils bzw. des Nuns (= Urwasser) kommt sie in die Nähe der kosmischen Kräfte. In dieser Form wird Toeris mit menschlichem Kopf abgebildet und in ein Gewand gekleidet, das den mächtigen Nilpferdkörper erahnen lässt.

Manchmal wird Toeris "weiblicher Suchos" genannt. Das überrascht nicht besonders, wird auch der Krokodilsgott für die Überschwemmung des Nils und der damit erwarteten guten Ernte verantwortlich gemacht. Darüber hinaus tragen manche Darstellungen von Toeris krokodilartige Züge.

Toeris soll die Nebenfrau von Seth gewesen sein. Nach seinen Kämpfen gegen Horus ist sie jedoch zu Horus über gelaufen. Vermutlich wollte man dadurch die Verehrung des Nilpferdes rechtfertigen. Denn das Nilpferd wurde der zerstörerischen und als böse empfundenen Kraft Seth zugeordnet.

Ein weiterer Artikel zu Toeris wurde verfasst: Toeris - Göttin der Geburt.

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